Der Fokus auf Jesu Gehorsam macht Maide 5:109-120 zu einem logischen Ganzen (II)
- kesfetmekursu
- vor 6 Tagen
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In unserem letzten Beitrag haben wir die Frage behandelt, inwiefern der Fokus auf Jesu Gehorsam in Allahs kritischer Frage (Maide 5:116) dabei hilft, den Kontext (Maide 5:109–120) besser zu verstehen. Die f) Unterordnung der ganzen Schöpfung unter Allah (1. Kor. 15:28):Frage nach Jesu Gehorsam passt in den unmittelbaren Kontext des Abendmahls, wie in Maide 5:112–115 beschrieben: Wäre Jesus nicht bis zum Tode gehorsam gewesen, hätte die Feier der Eucharistie keine stichfeste Grundlage.
Außerdem haben wir erstaunliche literarische, konzeptionelle und strukturelle Parallelen zwischen Sure 5, Verse 116–118 und dem Hohenpriesterlichen Gebet Jesu in Johannes 17 entdeckt. Dank der von den Kirchenvätern bereits betonten Parallelen zwischen diesem Gebet und der Bitte Jesu um Gehorsam in seinem Gebet im Garten von Gethsemane ist auch hier eine klare Verbindung zum Fokus auf Jesu Gehorsam gegeben. Dass Jesus sich in seiner Antwort auf Allahs kritische Frage ausgerechnet auf einen Text wie Johannes 17 bezieht, der ein hohes christologisches Verständnis ausdrückt, widerspricht der Ansicht, es handele sich in Maide 5:116–117 um eine Kritik der trinitarischen Entwicklungen der späteren Christenheit.
Im Folgenden wollen wir weitere Bezüge zwischen dem Thema von Jesu Gehorsam in Maide 5:116–117 und dem weiteren Kontext (vor allem 5:118–120) aufzeigen.
c) Jesu Lobpreis (Maide 5:116) als Reflektion von Matthäus 11:25-27:
Muslimische Ausleger sind überrascht, dass Jesus Allah preist – „Gepriesen seist du!” –, obwohl er gerade erfahren hat, dass seine Anhänger ihn und seine Mutter zu Göttern neben Allah gemacht haben sollen. Die einzige mögliche Motivation für eine solche Reaktion sehen sie in Jesu absoluter Verurteilung jeden Gedankens, ihn höher einzustufen als einen Knecht Gottes, sowie in der Betonung seiner totalen Untergebenheit unter Allah. Da Allahs Identität in der Trinitätslehre angegriffen wurde, soll seine wahre Natur durch Jesu Lobpreis wieder etabliert werden.1
Spannend wird es, wenn wir nach Stellen im Evangelium suchen, in denen Jesus seinen Vater auf ähnliche Weise preist. Solche finden sich in den Parallelstellen Matthäus 11:25 und Lukas 10:21–22 sowie ansatzweise auch in Johannes 17:
Matthäus 11:25-27 | Lukas 10:21-24 |
25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. 26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. 27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. | 21 Zu der Stunde freute sich Jesus im Heiligen Geist und rief: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. Ja, Vater, so hat es dir wohlgefallen. 22 Alles ist mir übergeben von meinem Vater. Und niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der Vater, noch, wer der Vater ist, als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. 23 Und er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen allein: Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht. 24 Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben’s nicht gesehen, und hören, was ihr hört, und haben’s nicht gehört. |
Das griechische Wort ἐξομολογέομαι (loben, bekennen, danken) wird dabei in der syrischen Peschitta mit einem Wort mit dem Wortstamm Š-B-ḥ übersetzt. Dieses ist verwandt mit dem in Maide 5:116 verwendeten Wort subḥānaka.2 Auch der Kontext von Matthäus 11:25 und Lukas 10:21 stimmt mit der Gerichtszene in Maide 5:109–120 überein. Jesus spricht die Worte des Lobpreises im Evangelium im Zusammenhang mit dem Ende der galiläischen Städte (siehe Matthäus 11:24f.) beziehungsweise im Zusammenhang damit, dass sich seine Nachfolger darüber freuen sollen, dass ihre Namen im Himmel aufgeschrieben sind (Lukas 10:20).
Angesichts der Übereinstimmungen hinsichtlich Syntax – sowohl im Koran als auch im Evangelium handelt es sich um eine Einleitungsformel –, Sprecher (Jesus), Adressat (Gott/Allah) und semitischer Wurzel des Wortes „gepriesen” (syrisch: Š-B-Ḥ/arabisch: S-B-Ḥ) sowie vor allem des Kontexts des Jüngsten Gerichts scheint ein Zusammenhang zwischen dem Lobpreis in Maide 5:116 und Matthäus 11:25 (bzw. Lukas 10:20) zu bestehen. Zusätzlich kommt die Überlappung des Themenbereichs von Jesu Wissen über Gott und Gottes Wissen über Jesus in Maide 5:116–117 und Matthäus 11:25 (Lukas 10:21 f.) hinzu. Allah weiß absolut über Jesu geheimste Gedanken Bescheid, und es ist Jesu Aufgabe, den Vater den Menschen bekannt zu machen, soweit er sich ihm offenbart hat.
Die uns interessierende Frage lautet nun, wofür Jesus Gott im Evangelium preist. Er preist Gott dafür, dass er „dies Weisen und Klugen verborgen“ und „es Unmündigen offenbart“ hat. Im Kontext steht „dies” und ‘es’ für Jesu Stellung in Gottes Heilsplan, die durch seine Werke, also seine Wunder, offenbar werden sollte: „Da fing er [Jesus] an, die Städte zu schelten, in denen die meisten seiner Taten geschehen waren; denn sie hatten keine Buße getan” (Matthäus 11:20); „... wer aber mich verachtet, der verachtet den, der mich gesandt hat” (Lukas 10:16).
Auch in Maide 5:110–115 geht es um die Taten, die Jesus dank der ihm von Allah erwiesenen Gnade ausführen konnte. Wie wir ausführlich gezeigt haben, weisen diese Taten auf seine Stellung als Allahs Stellvertreter in der zweiten Schöpfung und somit auf seinen Platz in Allahs Heilsplan hin.
Versteht man Jesu Lobpreis in Maide 5:116 als Reaktion auf die in Maide 5:110–115 aufgeführten Gnadenerweise Allahs, so ähnelt dies der Motivation von Jesu Lobpreis in Matthäus 11:25 (Lukas 10:21): Jesus dankt Allah für die erfahrene Gnade und für diejenigen Menschen, denen er durch seine Taten seine Rolle als Allahs Stellvertreter in der zweiten Schöpfung offenbart hat. Nach dem Evangelium sind dies nicht die „Weisen und Klugen”, sondern die „Unmündigen”.
Das Wort εὐδοκία (Wohlgefallen, freier Wille, göttliche Entscheidung) in Matthäus 11,26 ist für unsere Betrachtung von besonderer Bedeutung. Jesus lobt also nicht einfach Gottes Macht, sondern seinen Willen.
Damit sagt Jesus: „Ich freue mich über genau das, was du willst.” Hier erscheint bereits derselbe Gehorsam, der später in Gethsemane vollkommen sichtbar wird: „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“
Maide 5:116–117 reflektiert die Spannung zwischen freudiger Zustimmung – „gepriesen seist du” – und dem Durchringen zum absoluten Gehorsam am Kreuz – „Ich darf nichts sagen, wozu ich kein Recht habe. Wenn ich es (tatsächlich doch) gesagt hätte, wüßtest du es (ohnehin und brauchtest mich nicht zu fragen)”.
Der Lobpreis in Matthäus 11:25–27 ist eine frühe, freudige Manifestation desselben absoluten Gehorsams, der seinen Höhepunkt in Gethsemane („Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe“) und in Johannes 17 („Ich habe dich verherrlicht auf Erden, indem ich das Werk vollendet habe, das du mir gegeben hast“) erreicht. Jesus lobt den Vater nicht nur für dessen Handeln, sondern auch, weil er sich vorbehaltlos mit dessen Willen identifiziert. Gerade diese völlige Übereinstimmung macht ihn zum vollkommenen Offenbarer des Vaters und – im Licht des Neuen Testaments – zum Gegenbild Adams: Während Adam den göttlichen Willen durch Selbstbestimmung ersetzte, lebt Jesus ganz aus dem Willen des Vaters. Dadurch wird sein Lobpreis zu einem Ausdruck der neuen Menschheit, die im vollkommen gehorsamen Sohn ihren Ursprung hat.
Wir halten fest: Die Motivation für Jesu Lobpreis in Vers 116 lässt sich schlüssig erklären, und zwar auf der Basis des Hintergrundes des absoluten Gehorsams in Maide 5:116-117. Jesus preist Allah für die empfangenen Gnadengaben (Maide 5:110–115) und bekundet seine gehorsame Zustimmung zu Allahs Wahl von Menschen, denen die Bedeutung dieser Gnadengaben erschlossen wurde. Im Evangelium sind es die „Unmündigen”, im Koran jene, die Jesus als Kalifen der zweiten Schöpfung anerkannt und sich durch Taufe und Abendmahl ihm unterstellt haben.
Zur Begründung von Jesu Lobpreis in Maide 5:116 muss nicht angenommen werden, dass er damit auf einen Angriff auf Gottes Integrität durch seine Nachfolger reagiert. Sie ergibt vielmehr Sinn, wenn man sie im Lichte der entsprechenden Parallelen in den Evangelien interpretiert. Mit dem Lobpreis bestätigt Jesus seinen absoluten Gehorsam, der in starkem Kontrast zu Adams Fehltritt steht. Jesu Lobpreis ergibt also sehr viel Sinn, wenn man ihn vor dem Hintergrund von Allahs Frage nach seinem Gehorsam liest.
d) Jesu bewusste Unterordnung unter Allahs Willen
Jesus betont in verschiedenen Ausdrücken seine uneingeschränkte Unterordnung unter Allahs Macht:
- ‘Ich darf nichts sagen, wozu ich kein Recht habe.’
- ‘Wenn ich es (tatsächlich doch) gesagt hätte, wüßtest du es (ohnehin und brauchtest mich nicht zu fragen).’
- ‘Du weißt Bescheid über das, was ich (an Gedanken) in mir hege. Aber ich weiß über das, was du in dir hegst, nicht Bescheid.’
- ‘Du (allein) bist es, der üf) Unterordnung der ganzen Schöpfung unter Allah (1. Kor. 15:28):f) Unterordnung der ganzen Schöpfung unter Allah (1. Kor. 15:28):ber die verborgenen Dinge Bescheid weiß.’
- ‘Ich habe ihnen nur gesagt, was du mir befohlen hast (nämlich): "Dienet Allah, meinem und eurem Herrn!"’
Muslimische Ausleger ziehen daraus den Schluss, dass Jesus sich bewusst unterordnet, weil seine späteren Anhänger unangemessene Aussagen über ihn machten. Jesus sei ein Gott neben Gott.
Jesu Unterordnung unter Allah kann allerdings unterschiedlich interpretiert werden. Muslimische Exegeten lesen sie vor dem Hintergrund, dass Jesus sich gegen trinitarische Vorwürfe verteidigen muss und deshalb seinen Gehorsam hervorhebt.
Genauso gut könnte man diese Verse im Rahmen von Allahs Frage nach Jesu Gehorsam im Gegensatz zu Adams Ungehorsam verstehen.
Ein Vergleich mit dem Evangelium zeigt, dass diese Aussagen nicht aufgrund der Suche nach einer Antwort auf die kritische Frage Allahs entstanden sind. Vielmehr sind sie ein zentraler Bestandteil von Jesu irdischer Lehre an seine Jünger.
- Jesus weist jede Eigenmächtigkeit zurück. In Māʾida 5,116 antwortet er auf Gottes Frage: „Es steht mir nicht zu (mā yakūnu lī), etwas zu sagen, wozu ich kein Recht habe“ (F. Bubenheim und Dr. Nadeem Elyas)
Diese Aussage ist mehr als ein bloßes Dementi der Vergöttlichung Jesu. Sie beschreibt eine Haltung völliger Unterordnung.
Vergleicht man dies mit dem Johannesevangelium, fällt die Nähe zu Jesu Lehre, als er auf dieser Welt wirkte, auf:
„Der Sohn kann nichts von sich selbst tun" (Joh 5,19).
„Ich rede nicht aus mir selbst" (Joh 14,10).
„Ich suche nicht meinen eigenen Willen" (Joh 5,30).
In beiden Traditionen wird Jesus dadurch charakterisiert, dass er nichts aus eigener Autorität beansprucht.
Dies setzt ihn in starken Kontrast zu Adam, der getan hat wozu er kein Recht hatte, indem er von der verbotenen Frucht ass und sich damit Gott gleich machte. Philipper 2:6-8 betont diesen Kontrast: 'Obwohl er in Gottesgestalt existierte [dies gilt für Adam und Jesus], lag es ihm völlig fern zu versuchen, Gott gleich zu sein [gilt für Jesus im Kontrast zu Adam]. Nein, er gab vielmehr alles auf, was er hatte, nahm Sklavengestalt an und wurde Mensch. Mehr noch: Als er als Mensch kam, demütigte er sich und wurde gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod an einem Marterpfahl' (https://www.jw.org/de/bibliothek/bibel/studienbibel/buecher/philipper/2/).
- Jesu Gehorsam zeigt sich darin, dass er nur das spricht, was ihm aufgetragen wurde.
In Māʾida 5,117 heißt es: „Ich habe ihnen nichts anderes gesagt als das, was Du mir befohlen hast, nämlich: 'Dienet Gott, meinem Herrn und eurem Herrn'" (Adel Theodor Khoury). Der Schwerpunkt liegt auf dem Verb amara („befehlen").
Johannes verwendet zwarf) Unterordnung der ganzen Schöpfung unter Allah (1. Kor. 15:28): ein anderes Vokabular, aber dieselbe Grundidee: „Denn ich habe nicht aus mir selbst geredet, sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben (ἐντολή), was ich tun und reden soll. Und ich weiß: Sein Gebot ist das ewige Leben. Darum: Was ich rede, das rede ich so, wie es mir der Vater gesagt hat" (Joh 12,49-50). Ebenso sagt er: „Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht aus mir selbst. Der Vater aber, der in mir bleibt, der tut seine Werke" (Joh 14,10).
Beide Texte (Koran und Evanglium) beschreiben Jesus als den vollkommenen Gesandten, dessen Worte vollständig aus dem Auftrag Gottes hervorgehen.
Es ist also keineswegs notwendig, trinitarische Anschuldigungen als Voraussetzung für Jesu Antwort in Maide 5:116–117 anzunehmen. Vielmehr passt die Antwort gut in den Kontext von Gehorsam im Vergleich zu Adams Ungehorsam hinein. Jesus betont seine Haltung völliger Unterordnung, die ihn als vollkommenen Gesandten Allahs auszeichnet.
e) Jesu Fürsprache für seine Nachfolger (Hebraer 5:7-10):
Hebräer 5:7–10 verbindet das Gebet Jesu in Gethsemane (Matthäus 26) mit seiner Einsetzung als Hohepriester, der für seine Nachfolger Fürsprache tut: ‘Und er [Jesus] hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen vor den gebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte [eine Beschreibung seines Erlebens in Gethsemane]; und er ist erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er der Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und da er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber der ewigen Seligkeit geworden, von Gott genannt ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks.’
Durch das Erlebnis in Gethsemane hat Jesus „Gehorsam gelernt“ (Hebräer 5:8). Das bedeutet nicht, dass er zuvor ungehorsam war und erst in Gethsemane Gehorsam gelernt hat, sondern vielmehr, dass er im Leiden und in den Sorgen um die bevorstehende Kreuzigung gelernt hat, seinen menschlichen Willen dem Willen Gottes zu unterstellen: ‘Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!’ (Matthaeus 26:39).
Dieser Gehorsam führt gemäß dem Autor des Hebräerbriefes zu Jesu Vollendung, seiner Erhöhung zum Stellvertreter Gottes und gibt ihm das von Gott zugesprochene Recht, für alle, die ihm gehorchen, hohepriesterlich Fürsprache zu tun. Er ist der Urheber ihrer ewigen Seligkeit geworden.
Bei unserer Interpretation von Maide 5:116–120 gehen wir davon aus, dass Allahs kritische Frage den absoluten Gehorsam Jesu betrifft. Weil Jesus in Gethsemane diesen Gehorsam gelernt hat – „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe“ –, kann er auf Allahs Frage mit der Beteuerung seines uneingeschränkten Gehorsams reagieren: ‘Nichts anderes sagte ich zu ihnen, als das, was Du mich geheißen hattest’ (Maide 5:116). In Maide 5:118 tritt Jesus in seiner „vollendeten” Gestalt wie ein Hohepriester für seine gehorsamen Nachfolger (f) Unterordnung der ganzen Schöpfung unter Allah (1. Kor. 15:28):Allahs Diener) ein: ‘Solltest DU sie peinigen, so sind sie doch Deine Diener. Doch solltest DU ihnen vergeben, so bist DU gewiß Der Allwürdige, Der Allweise.” Hebräer 5:7–10 bildet das Verbindungsglied zwischen Allahs kritischer Frage in Maide 5:116 und Jesu Fürsprache für seine Anhänger in Maide 5:118: Gott selbst hat Jesus für seinen Gehorsam, zu dem er im Garten Gethsemane durchgedrungen ist und den er im Tod am Kreuz für alle sichtbar gemacht hat, als Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks eingesetzt.
Nach Hebraer 5:7-10 wurde Jesus dank seinem Gehorsam zugleich zum ‘Urheber der ewigen Seligkeit’ für alle diejenigen, ‘die ihm gehorsam sind’. Im Lichte von Hebräer 5:7–10 erstaunt Allahs positive Reaktion in Maide 5:119 auf Jesu Fürbitte nicht. Der Koran beschreibt die ewige Seligkeit wie folgt: "Allah sagt: ""Dies ist (jetzt) der Tag, an dem den Wahrhaftigen ihre Wahrhaftigkeit nützt."" lhnen werden Gärten zuteil, in deren Niederungen Bäche ftießen, und in denen sie ewig weilen werden. Allah hat (dann) Wohlgefallen an ihnen, und sie an ihm. Das ist das große Glück (al-fauz al-`aziem)."
Die Ungereimtheit der gängigen muslimischen Interpretation – wie kann Jesus für seine Schirk praktizierenden Anhänger einstehen? – löst sich mit unserer Interpretation elegant auf. In Maide 5:116-120 geht es nicht um Anhänger, die Schirk praktizieren, sondern um Menschen, die auf Jesu Worte achten und deshalb Allah gehorsam dienen („sie sind doch deine Diener”), trotz all ihrer Unzulänglichkeiten (sie brauchen Allahs Vergebung) (siehe Maide 5:118). Weil Jesus zum „Urheber der ewigen Seligkeit” geworden ist, reagiert Allah korrekt, wenn er ihnen vergibt. Dann erweist er sich als allwürdig und allweise (Maide 5:118).
Mit dem vorgeschlagenen christlichen Hintergrundswissen wird Sure 5:116–120 verständlich: Allahs kritische Frage betrifft Jesu Gehorsam als Stellvertreter Allahs. Gerade dieser Gehorsam, wie er sich in seiner Antwort auf Allahs Frage zeigt, ist die Grundlage für sein Recht, für seine Nachfolger einzustehen: ‘Und da er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber der ewigen Seligkeit geworden, von Gott genannt ein Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks’ (Hebraer 5:9-10).
Weil Jesus absolut gehorsam war, wurde er zum „Urheber der ewigen Seligkeit” seiner gehorsamen Nachfolger. Deshalb kann Jesus für seine zwar sündhaften, aber wahren Anhänger bei Allah Fürsprache einlegen. Allah akzeptiert sie und freut sich über ihren Eingang ins Paradies (Maide 5:119): ‘lhnen werden Gärten zuteil, in deren Niederungen Bäche fließen, und in denen sie ewig weilen werden. Allah hat (dann) Wohlgefallen an ihnen, und sie an ihm. Das ist das große Glück (al-fauz al-`aziem)."Die von uns vorgeschlagene alternative Interpretation ergibt im Kontext also sehr viel Sinn.
f) Das grosse Glück, der grösste Erfolg (1. Kor. 15:54-57):
In der islamischen Auslegung ist es schwierig zu verstehen, wie sich aus der tragischen Situation, dass Jesu Nachfolger Schirk begehen und somit die ewige Verdammung verdienen, der in Maide 5:119-120 beschriebene glorreiche Endzustand einstellt. Wie führt

die Information über die Verfehlungen von Jesu Anhängern in Maide 5:116–118 zum Thema des freudigen Willkommens im Himmel („Allah hat Wohlgefallen an ihnen und sie an Ihm“ (Maide 5:119))? Weshalb kann angesichts der negativen Entwicklung unter Christen vom „großen Sieg” (Maide 5:119) die Rede sein? Ist der Ausschluss der Schirk praktizierenden Christen genügend Grund vom ‘grossen Erfolg’ zu sprechen?
Meiner Ansicht nach führt unsere alternative Interpretation die auf den ersten Blick widersprüchlichen Aussagen zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Gemäß dem Evangelium resultiert Jesu absoluter Gehorsam bis zum Tod am Kreuz zunächst in seiner Erhöhung zur Ehrenposition bei Gott (Philipper 2:5-11): ‘Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters' (Philipper 2:9-11).
Der Gehorsam Jesu hat aber auch ähnliche Auswirkungen auf seine gehorsamen Nachfolger. Sie werden durch Jesus zum ewigen Leben durchdringen: ‚Denn da durch einen Menschen [Adam] der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen [Jesus] die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird [beim Jüngsten Gericht] ...‘ (1. Korinther 5:21-23). Für alle, die in Christus lebendig gemacht werden, ist Jesus der „Urheber ihrer ewigen Seligkeit“ (Hebräer 5:9). Er erwirkt für sie Akzeptanz bei Gott im Paradies.
Einen ähnlichen Gedankengang finden wir im Koran: Gott ruft Jesus von der Erde ab und erhöht ihn zu sich. Alle, die an Jesus glauben, sind bis zur Auferstehung gegenüber den Ungläubigen von Allah bevorzugt. Dann wird Allah unter ihnen über die unterschiedlichen Anschauungen bezüglich Jesus richten (Al-i Imran 3:55). Jesus wird also den Ausschlag über das ewige Schicksal der Gläubigen geben (Nisa 4:159). Allahs Antwort auf Jesu Fürbitte (Maide 5:119) beschreibt, wie das entsprechende Gericht Allahs aussehen wird: "Allah sagt: ""Dies ist (jetzt) der Tag, an dem den Wahrhaftigen ihre Wahrhaftigkeit nützt."" lhnen werden Gärten zuteil, in deren Niederungen Bäche fließen, und in denen sie ewig weilen werden. Allah hat (dann) Wohlgefallen an ihnen, und sie an ihm. Das ist das große Glück (al-fauz al-`aziem)." (Maide 5:119).
In Vers 119 sticht das Wort „fawz” heraus. Es bedeutet „Erfolg“, „Errettung von Strafe“ oder „Befreiung“. Das große Glück (al-fauz al-`aziem) bedeutet im Koran also die große, endgültige eschatologische Errettung und den großen Erfolg, einmal in die ewigen Gärten eingehen zu können. In der christlichen Theologie ist diese Errettung der Gläubigen das Resultat von Jesu Sieg über den Tod, den er durch seinen Gehorsam bis zum Tod am Kreuz errungen hat. Paulus beschreibt Jesu Auferstehung nach seinem Tod am Kreuz, Gottes Belohnung für seinen Gehorsam, als Sieg über den Tod (1 Korinther 15:54-57): ‚Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht Jes 25,83: »Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?« Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!‘ Interessant ist die konzeptuelle und theologische Verbindung zwischen dem, was Jesus getan hat – er hat den Sieg über den Tod errungen –, und dem, was daraus für die Gläubigen resultiert: die große eschatologische Errettung. Einige arabische Christen haben diese beiden Aspekte – Ursache und Wirkung – desselben Geschehens mit zwei verschiedenen Worten ausgedrückt: Naṣr steht dabei für Jesu Sieg über den Tod, also die Ursache, während Fawz für das Resultat oder die Wirkung von Jesu Sieg, also die Akzeptanz der Gläubigen im Himmel, steht.4 In Maide 5:119 beschreibt der Koran eindeutig die Wirkung auf die Gläubigen: "Dies ist (jetzt) der Tag, an dem den Wahrhaftigen ihre Wahrhaftigkeit nützt."" lhnen werden Gärten zuteil, in deren Niederungen Bäche fließen, und in denen sie ewig weilen werden. Allah hat (dann) Wohlgefallen an ihnen, und sie an ihm."
Der „übergroße Erfolg“ (Zaidan) ist laut Maide 5:116-120 eng mit Jesu Gehorsam gegenüber Gott verbunden. Er hat sich und seine Mutter nie als Götter neben Gott dargestellt, sondern immer nur das gesagt und getan, was Gott gefällt (Maide 5:116-117). Jesu Antwort auf Gottes kritische Frage betrifft den von ihm errungenen Sieg: absoluten Gehorsam in allen Dingen. Die Aufnahme der Gläubigen, eben der „übergroße Erfolg“, entspricht dem Resultat aus diesem Sieg. Wir erkennen also denselben Zusammenhang von Ursache und Wirkung, Sieg und Akzeptanz, Naṣr und Fawz, wie im Evangelium.
Der Kontext bestätigt damit einmal mehr unseren Vorschlag, dass es bei Allahs kritischer Frage um Jesu Gehorsam bis zum Tod am Kreuz geht. Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich Allahs freudiger Ausruf „Das ist das große Glück (al-fauz al-`aziem)” auf natürliche Weise mit der kritischen Frage Allahs in Maide 5:116 in Einklang bringen.
G) Unterordnung der ganzen Schöpfung unter Allah (1. Kor. 15:28):
Auch das Resultat der Rückkehr der Menschheit zu Gott ist äußerst spannend: ‘Allah hat die Herrschaft über Himmel und Erde und (alles) was im Himmel und auf Erden ist. Er hat zu allem die Macht’ (Maide 5:120). Eigentlich besitzt Allah in jedem Moment die Herrschaft über Himmel und Erde, also über alles Materielle, die Pflanzen, Tiere und die leblose Materie. Allahs Herrschaft wurde nur von Satan, einigen anderen geistlichen Wesen und vor allem den Menschen infrage gestellt. Die Engel verdeutlichen den Unterschied zwischen gehorsamen und aufständischen Wesen folgendermaßen: "Willst Du denn dort [in der Welt] solche Wesen haben, die darauf Unfrieden stiften und Blut vergießen? - und wir loben und preisen Dich und rühmen Deine Heiligkeit" (Bakara 2:30; Ahmadeyya). Adam und seine Nachfolger beugen sich Allahs Macht nicht vollkommen – sie stiften Unfrieden und vergießen Blut –, während die Engel totalen Gehorsam erweisen. Mit dem Endgericht, wie in Maide 5:109–120 beschrieben, ändert sich das. Gegen Allah ungehorsame Wesen werden bestraft; nur solche Menschen und Wesen befinden sich nun im Himmel und auf der Erde, an denen Allah Wohlgefallen hat (Maide 5:119). Deshalb erstreckt sich Allahs Herrschaft nun nicht nur über den Himmel und die Erde, sondern zusätzlich über alles, „was im Himmel und auf Erden ist”, das heißt, seine Macht ist wieder vollständig hergestellt: „Er hat zu allem die Macht.” 5
Die muslimische Sichtweise, dass Allahs Macht im Gegensatz zur Auflehnung der Christen betont wird6, greift zu kurz. Allahs Macht ist noch lange nicht wieder völlig hergestellt, nachdem alle Christen, die Schirk betrieben haben, bestraft worden sind. Das Endgericht dreht sich nicht nur um Christen, sondern um alle Menschen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Es würde den Christen eine unangemessene Vorrangstellung geben, wenn man annähme, Allah kümmere sich nur um das Fehlverhalten von weniger als einem Viertel aller Menschen. Die Aussage, dass sich Allahs Herrschaft nun wieder uneingeschränkt über den ganzen Kosmos und alle Geschöpfe erstreckt, muss mindestens alle Menschen, alle geistlichen Kräfte und vor allem Satan miteinschließen. Schließlich war Satan der Ursprung allen Ungehorsams. Solange Allah Satan nicht entmachtet hat, ist eine Rückkehr der Menschen nicht möglich. Erst mit der Verurteilung Satans und der Kräfte unter seiner Herrschaft – unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit – ist Allahs uneingeschränkte Macht auch unter den Geschöpfen wieder voll wirksam. Erst bei Allahs absolutem Sieg über alle antigöttlichen Mächte – Sünde und Tod eingeschlossen – ist Allahs absolute Herrschaft wieder perfekt hergestellt.
Paulus beschreibt diesen Zustand der allumfassenden Macht Gottes in der Endzeit wie folgt (1 Korinther 15:20-28): ‘Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt.
Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« Ps 110,1. Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Denn »alles hat er unter seine Füße getan« Ps 8,7. Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.' Jesus wurde als Erster auferweckt und hat den Weg geebnet, sodass alle seine Nachfolger ebenfalls auferstehen können (1 Korinther 15:22). Seit seiner Erhöhung zum Vater muss Jesus herrschen, bis ihm Gott alle Feinde untertan gemacht hat. Dabei handelt es sich um die gegen Gott aufständischen Kräfte und Wesen, den Tod (1 Korinther 15:26), die Sünde (1 Korinther 15:56) und Satan mit seinen Mächten (Kolosser 2:15). Am Ende wird Jesus dem Vater das Reich übergeben (1 Korinther 15:24). Jesus selbst wird sich Gott unterordnen, wie in Maide 5:116–117 beschrieben.
Dann wird Gott alles in allem sein (1 Korinther 15:28). Dieser letzte Satz ähnelt inhaltlich dem in Maide 5:120:
Maide 5:120 | 1 Korinther 15:28 |
Allah hat die Herrschaft über Himmel und Erde und (alles) was im Himmel und auf Erden ist. Er hat zu allem die Macht | Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem. |
Sowohl die Bibelstelle 1. Korinther 15,28 als auch die Koranstelle Al-Ma'idah 5,120 betonen die absolute, allumfassende Herrschaft Gottes über die gesamte Schöpfung und Seine höchste Autorität nach Vollzug des Jüngsten Gerichts. In beiden Texten ist das Resultat direkt an das Handeln Jesu gebunden: die gehorsame Unterordnung unter Allah, seinen Vater. Einmal mehr hilft uns der Fokus auf den absoluten Gehorsam Jesu, eine logische Abfolge in den Bericht von Maide 5:116–120 zu erkennen.
So wie wir außerordentliche literarische, konzeptionelle und strukturelle Verbindungen zwischen Johannes 17 und Maide 5:114–120 feststellen konnten, beobachten wir nun eine außerordentlich starke Beziehung zwischen Maide 5:119–120 und 1. Korinther 15.
Die folgende Tabelle fasst die Parallelen zusammen:
Maide | 1. Korinther 15 |
Die Wahrhaftigen erhalten ihre Belohnung, ewiger Aufenthalt im Paradies (5:119) | 'Der Tod ist verschlungen in den Sieg' (15:54) |
'Allah hat Wohlgefallen an ihnen’ (5:119) | Die Glaeubigen haben Anteil an Jesu Sieg (15:57) |
"Das ist der grosse Erfolg" (al-fawz al-ʿaẓīm) | "Sieg" (nikos) |
'Allah hat die Herrschaft über Himmel und Erde und (alles) was im Himmel und auf Erden ist' (5:120) | Der Sohn übergibt das Reich dem Vater (15:24–28) |
Allah 'hat zu allem die Macht' (5:120) | Gott wird 'alles in allem' (15:28) |
In den Büchern Maide und 1. Korinther 15 erkennen wir eine Bewegung, die bei Christus beginnt, aber mit Gottes absoluter Herrschaft endet. Gott dominiert alles.
Der Fokus auf Jesu Gehorsam macht Maide 5:109-120 zu einem logischen Ganzen
Durch die Fokussierung auf Jesu Gehorsam im Lichte des christlichen Verständnisses dieses Konzepts in Maide 5:116-117 wird Maide 5:109-120 zu einem einheitlichen Ganzen. Allah beruft Jesus zum Fürsprecher und begründet seine Wahl mit der Aufzählung der Gnadengaben, die Jesus zuteil wurden. Alle Gnadengaben stehen im Zusammenhang mit dem Zustand Adams als Kalif Allahs nach seiner Erschaffung. So wie Allah von allen Geschöpfen Gehorsam und Unterordnung unter Adam forderte, so ist die korrekte Reaktion auf Jesus Gehorsam in Taufe und Teilnahme am Abendmahl. Jesus wird das Stellvertreteramt wohl übertragen, aber im Gegensatz zu Adam hat er es nie missbraucht, sondern war Allah in allem gehorsam. Deshalb ehrt ihn Allah mit dem Amt des Fürsprechers. Jesu Gehorsam hat Auswirkungen auf seine Nachfolger, so wie Adams Aufstand Auswirkungen auf alle Menschen hatte. Allah akzeptiert Jesu Fürsprache und heißt Jesu Nachfolger im Paradies willkommen. An ihnen hat Allah Wohlgefallen. Nun regiert Allah unangefochten über das ganze Universum.Der Aufstand Satans, des Todes, der Sünde und der Menschen konnte beendet werden. Gott gehört der absolute Sieg.
Wir haben festgestellt, dass einige Texte aus dem Evangelium den Inhalt von Sure 5:116–120 besonders erleuchten. Wir betonten die enge inhaltliche und konzeptionelle Übereinstimmung von Johannes 17 und 1. Korinther 15 mit Sure 5:116–120.
Weiter halfen Texte wie Matthäus 11:25–27 (Lukas 10:21–24) und Hebräer 5:7–10, um die Aussagen in Sure 5:116–118 besser zu verstehen.
Zieht man alle Beobachtungen zusammen, so zeichnet sich ein faszinierendes Muster ab. Sowohl Koran 5:116–120 als auch mehrere Passagen des Neuen Testaments schildern den Höhepunkt der Mission Jesu anhand einer wiederkehrenden Abfolge: Jesus hat das ihm anvertraute Werk treu vollendet.
Über das Schicksal seiner Anhänger wird entschieden.
Das Endergebnis wird als Erlösung, Sieg oder großer Erfolg beschrieben.
Die Erzählung schließt mit der Betonung der letztendlichen Souveränität Gottes.
Der Fokus auf Jesu Gehorsam macht Maide 5:109–120 zu einem logischen Ganzen.
Das schwache Glied in unserer Argumentation ist nun noch Maide 5:118: Was Jesus in diesem Vers aus der Perspektive eines Jesusnachfolgers genau aussagt, müssen wir im nächsten Beitrag näher beleuchten.
1 z.B. Sayyid Qutb, In the Shade of the Quran, ss. 1342f.
2 'From a Semitic perspective:
Greek δοξάζω → Syriac šabbaḥ
Greek ἐξομολογέομαι → Syriac šabbaḥ
Arabic سبّح is the closest cognate of Syriac šabbaḥ
This explains why subḥānaka in Qur'an 5:116 may sound conceptually close to expressions of glorification found in the Syriac Christian tradition, even though Arabic Christian Bible translations later chose مجّد to render δοξάζω. In other words, the Syriac tradition preserves a semantic bridge that is largely obscured in later Arabic translations.' (Abgefragt von Chatgpt.com (01/07/2026)).
3 '6 Und der Herr Zebaoth wird auf diesem Berge allen Völkern ein fettes Mahl machen, ein Mahl von reinem Wein, von Fett, von Mark, von Wein, darin keine Hefe ist. 7 Und er wird auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, mit der alle Völker verhüllt sind, und die Decke, mit der alle Heiden zugedeckt sind. 8 Er wird den Tod verschlingen auf ewig. Und Gott der Herr wird die Tränen von allen Angesichtern abwischen und wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen; denn der Herr hat’s gesagt.
9 Zu der Zeit wird man sagen: »Siehe, das ist unser Gott, auf den wir hofften, dass er uns helfe. Das ist der Herr, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.'
4 z.B. ʿAmmār al-Baṣrī in seinem Kitāb al-Burhān / Book of Proof; oder Theodore Abū Qurra in apologetischem Kontext.
5 Razi hat sich dazu folgendes überlegt: 'Allah has declared, “The dominion of the heavens, the earth, and all that is within them belongs to Allah,” but He did not say, “and all who are within them…”; that is, He has made the non-rational beings subservient to the rational ones. The reason for this is to draw attention to the fact that all created beings are subjugated, humble and helpless in the hands of the Almighty’s sovereignty, power, decree and destiny. Accordingly, within this subjugation, they are like lifeless objects devoid of power, or animals (beasts) devoid of reason. In comparison to Allah’s knowledge, their knowledge is but ignorance; likewise, in comparison to Allah’s power, their power is but powerlessness.› F. Er Razi, Tefsir I Kebir 7. Cüz, el-MÂİDE SÛRESİ ayet 119-120, 9. Cilt, s. 301 in https://archive.org/details/elmalili-muhammed-hamdi-yazir-original-hak-dini-kuran-dili/Fahruddin%20Er-Razi%20-%20Tefsir-I%20Kebir-09.pdf (besucht: 12/06/2016).
6 Siehe Qurtubi in Tafsir Qurtubi, Vol.6, zu Maide 5:120. Er führt aus: ‹"Allah gehört die Herrschaft über Himmel und Erde. " Dieses Wort Allahs folgte auf das Bekenntnis der Christen zu Isa (Friede sei mit ihm), in dem sie erklärten, dass er das Wort Gottes sei. Allah verkündete daraufhin, dass der Eigentümer der Himmel und der Erde Er selbst ist, nicht Isa (Friede sei mit ihm) und auch nicht irgendein anderes Geschöpf.

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