Was motiviert Allah, Jesus eine kritische Frage zu stellen?
Was motiviert Allah, Jesus am Jüngsten Tag eine kritische Frage zu stellen? „Jesus, Marias Sohn, hast du den Menschen gesagt, daß sie dich und deine Mutter als zwei Gottheiten außer Gott, Allah, nehmen sollen?“ (Maide 5:116; Azhar)“.

Die weit verbreitete muslimische Antwort auf diese Frage ist, dass Allah die Entwicklung und den Glauben an die christliche Trinitätslehre als fehlgeleitet anprangern will. In meinem letzten Blogbeitrag habe ich aufgezeigt, dass sich die gängige muslimische Interpretation von Maide 5:116–118 nicht mit dem unmittelbaren Kontext (Maide 5:109–120) vereinbaren lässt. Sie beruht auf einem fehlgeleiteten Verständnis der christlichen Dreifaltigkeitslehre, liest Christen als Hauptadressaten von Allahs Kritik in den Text hinein, obwohl sie nirgends vorkommen, und kann nicht erklären, weshalb Jesus für seine angeblich hoffnungslos fehlgeleiteten Nachfolger Fürsprache einlegt (v. 118). Aufgrund dieser Kritik ist es unwahrscheinlich, dass Allah mit dieser Frage die späteren trinitarischen Entwicklungen der Christen anprangert. In diesem Blog präsentiere ich eine alternative Motivation für diese Frage Allahs, die meiner Ansicht nach dem koranischen Kontext und der Bibel besser gerecht wird.
Kontext von Allahs Kritischer Frage
Allahs Frage passt gut in den Kontext von Maide 5:111-115. Juden sahen im christlichen Gottesdienst, geprägt von den liturgischen Festen der Taufe (v. 111) und der Eucharistie (vv. 112-115), Hinweise darauf, dass Jesus von den Christen als zweiter Gott, neben dem wahren Gott verehrt würde. Sie konfrontierten die Christen daher mit der Anschuldigung, Polytheismus zu betreiben.1 Mit der Frage, ob Jesus selbst wirklich Polytheismus gelehrt habe, nimmt Allah in Maide 5:116 diese jüdische Anklage auf.
Dieselbe Anklage des Polytheismus wurde anscheinend auch gegen Muhammad von Juden erhoben, welcher ihr klar entgegensetzt: ‘... sagt nicht ‘Drei ...’’ (Nisa 4:171).2 Der Koran formuliert eine ausführliche Antwort darauf, wie Jesus eingeordnet werden muss, damit, wie von den Juden kritisiert, kein Polytheismus resultiert. Die Antwort des Korans auf diese jüdische Anschuldigung finden wir allerdings nicht in Maide 5:116ff. sondern in Nisa 4:171f.: "O Leute der Schrift, übertreibt nicht in eurem Glauben und sagt von Allah nichts als die Wahrheit. Wahrlich, der Messias, Jesus, Sohn der Maria, ist nur der Gesandte Allahs und Sein Wort, das Er Maria entboten hat, und von Seinem Geist. Darum glaubt an Allah und Seine Gesandten, und sagt nicht: ""Drei."" Lasset (davon) ab - (das) ist besser für euch. Allah ist nur ein einziger Gott. Es liegt Seiner Herrlichkeit fern, Ihm ein Kind zuzuschreiben. Sein ist, was in den Himmeln und was auf Erden ist; und Allah genügt als Anwalt. Der Messias wird es niemals verschmähen, Diener Allahs zu sein; ebenso nicht die (Allah) nahestehenden Engel; und wer es verschmäht, Ihn anzubeten, und sich dazu zu erhaben fühlt - so wird Er sie alle zu Sich versammeln" (M.A. Rassoul). Interessanterweise erinnert Mohammeds Antwort an christliche Versuche Jesus gegenüber jüdischen Anschuldigungen des Polytheismus zu verteidigen:
- Jesus ist der von den Juden erwartete Messias und Gesandte Allahs ('... wahrlich, der essias, Jesus, ...');3
- Jesus wird als Person selbst explizit mit einem Wort Allahs identifiziert ('... Gesandte Allahs und Sein Wort ...'; siehe vorallem auch Al-i Imran 3:45: dort wird dem Wort Allahs der Name Jesus gegeben). Daraus resultiert eine Logos-Christologie, wie wir sie aus dem Evangelium kennen (siehe Johannes 1);4
- Jesus wird außerdem als ein Geist Gottes eingeordnet ('... und von Seinem Geist ...'). Gottes Geister sind neben möglichen anderen Wesen bestimmt auch Engel (siehe Kadir 98:4; Meryem 19:17; Ps. 103:20–21; Heb. 1:14). Christen verteidigten ihre Auffassung von Jesus gegen die polytheistischen Vorwürfe der Juden, indem sie Jesus mit „dem Engel des Herrn” im Alten Testament identifizierten. Dieser begegnet den alten Propheten. Er handelt und spricht in der Vollmacht Gottes. Die Christen glaubten, dass Erscheinungen „des Engels des Herrn” Inkarnationen von Jesus vor seiner späteren Inkarnation als Mensch entsprächen. Damit versuchten die Christen, die Präexistenz Jesu zu beweisen.5 Der Koran scheint diese christliche Argumentationslinie aufzunehmen. - Im Koran kommt noch die Hervorhebung von Jesu Gehorsam zusammen mit den (oder gar erhoben über die) Allah „nahestehenden Engeln” hinzu ('... der Messias wird es niemals verschmähen, Diener Allahs zu sein; ebenso nicht die (Allah) nahestehenden Engel ...'; siehe dazu besonders Hebräer 1), ebenso die Warnung, Jesus als physischen Sohn Gottes zu missverstehen ('... Ihm ein Kind zuzuschreiben ...').
Diese überraschend hohe - klar christlich motivierte - Christologie, die im Koran gegenüber Juden verteidigt wird, muss auch als Grundlage für Maide 5:116 ff. vorausgesetzt werden. Da sie in ihren Grundzügen der christlichen Verteidigung des Monotheismus entspricht, ist die Annahme, es handele sich bei Allahs Frage um eine Korrektur der Christologie der Christen, nicht sehr überzeugend. Auch die Hervorhebung der beiden liturgischen Feste der Taufe und der Eucharistie im unmittelbaren Kontext passt nicht zu einer trinitarischen Infragestellung der diese Feste praktizierenden Christen. Vielmehr adressiert Allahs kritische Frage die jüdischen Anschuldigungen gegen Christen Polytheismus zu betreiben. Was aber motiviert Allah, diese Frage ausgerechnet im vorliegenden Kontext zu stellen?
Was motiviert Allah zur Frage?
Erinnern wir uns noch einmal an den theologischen Kontext von Maide 5:116: Unter der Überschrift „von Allah an Jesus erwiesene Gnaden” erinnert Allah alle anwesenden Gesandten und ihre Nachfolger an die erhabene Stellung Jesu in der zweiten Schöpfung. Wie wir im Detail aufgezeigt haben, stehen die erwähnten Gnaden Allahs an Jesus alle in klarer Beziehung zum Kalifen Adam. Dass der Zustand Jesu bei Allah demjenigen Adams bei seiner Erschaffung gleicht, wird schon durch die Art seiner Erzeugung in Marias Gebärmutter allen Geschöpfen im Universum zeichenhaft prophezeit. Beim Jüngsten Gericht wird diese Prophetie durch Allahs Wahl von Jesus zu seinem Stellvertreter vor allen Gesandten und deren Nachfolgern offiziell bestätigt. So wie Adam von Allah selbst gelehrt wurde, hat Allah auch Jesus die gesamte Offenbarung gelehrt. So wie Adam den Engeln die Namen aller Dinge offenbart, spricht Jesus, von Allahs Geist bevollmächtigt, während seines ganzen irdischen Daseins. Wie Adam erhält Jesus die Autorität, aktiv an allen Allah vorbehaltenen Aktivitäten teilzunehmen (Maide 5:110). Und wie die Engel sich im Gehorsam vor Adam niederwerfen, unterstützen die Nachfolger Jesu diesen bei der Ausführung von Allahs Werken (Maide 5:111). Absoluter Gehorsam gegenüber Allahs Stellvertreter in der zweiten Schöpfung wird durch Taufe und Teilnahme am Abendmahl gezeigt (Maide 5:111–115). Nur der detaillierte Vergleich von Jesus mit Adam hat einen Haken: Adam ließ sich trotz aller von Allah erwiesenen Gnaden von Satan zum Aufstand gegen seinen Schöpfer verführen. Diese Verführung führte zu Adams Absetzung als Kalif und zur Verbannung der Menschheit auf die Erde (Bakara 2:36): "Da veranlaßte sie der Satan, einen Fehltritt zu tun, wodurch sie des Paradieses verlustig gingen, und brachte sie so aus dem (paradiesischen [besser: Zustand des Kalifen Allahs]) Zustand heraus, in dem sie sich befunden hatten. Und wir sagten: ""Geht (vom Paradies) hinunter (auf die Erde)! Ihr seid (künftig) einander feind. Und ihr sollt auf der Erde (euren) Aufenthalt haben, und Nutznießung auf eine (beschränkte) Zeit."
Die Verbannung der Menschheit aus der Gegenwart Allahs auf die Erde wurde durch den Fehltritt von Kalif Adam ausgelöst. Er hörte auf den Feind Allahs, Satan, und ließ sich von ihm täuschen, indem er glaubte, es gebe eine noch höhere Stellung als die des Kalifen Gottes - ‘... Euer Herr hat euch diesen Baum nur verboten, (um zu verhindern) daß ihr zu Engeln werdet oder (sonst) zu Wesen, die ewig leben’ (Araf 7:20). Anstatt sich mit seiner von Allah zugeteilten Aufgabe als Stellvertreter Gottes auf der Erde zufriedenzugeben, streckte er seine Hand nach der von Satan angebotenen ewigen Herrschaft aus (TaHa 20:120): "Aber da flüsterte der Satan ihm (böse Gedanken) ein. Er sagte: ‘Adam! Soll ich dich ... einer Herrschaft, die nimmer vergeht, weisen?’". Allahs Absicht für die Menschen war eine andere. Die Menschheit sollte in unterordnendem Gehorsam Allahs Stellvertreter auf Erden sein und nicht unabhängig und selbstherrlich herrschen. Die Herrschaft gehört allein Gott. Durch den Wunsch, in den Besitz einer unvergänglichen Herrschaft zu gelangen, erhob sich Adam gegen Allah und beanspruchte eine Position, die derjenigen Allahs gleichkommt. In der Bibel wird deutlich, dass Satan Eva und Adam suggerierte, sie könnten wie Götter neben Gott werden, wenn sie von der von Allah verbotenen Frucht essen: ‘Da sprach die Schlange [d.h Satan] zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist’ (1. Moses 3:4-5). Die ersten Menschen rebellierten gegen Gott, um so zu werden wie ER: Sie wollten ewige Existenz und Herrschaft erlangen. Es war diese Auflehnung gegen Gott, die zum erniedrigenden Abstieg der Menschheit aus Seiner Gegenwart auf die Erde führte.6
Vor diesem Hintergrund ist die Frage Allahs an Jesus am Anfang der zweiten Schöpfung von absolut entscheidender Bedeutung: Wie steht es um Jesus? Gleicht er Adam (Al-i Imran 3:59) bis hin zur Auflehnung gegen Allah: ‘hast du den Menschen gesagt, daß sie dich und deine Mutter als zwei Gottheiten außer Gott, Allah, nehmen sollen?" (Maide 5:116; Azhar). Hat sich Jesus, trotz aller erfahrenen Gnade Allahs, am Ende doch genauso wie Adam danach ausgestreckt, ein Gott neben Gott zu werden?

Und noch schlimmer: Hat er seine Nachfolger statt zum Gehorsam gegenüber Gott angeleitet, ihm in der Rebellion gegen Allah zu folgen? Die Frage, ob er seine Nachfolger zum Gehorsam gegenüber Allah angeleitet hat oder ob er mit ihnen ein eigenes Reich errichten wollte, in dem er wie ein Gott neben Allah regiert, muss im Kontext von Maide 5:109-120 geklärt werden.
Allahs Frage zielt also hauptsächlich darauf ab, a) den Gehorsam von Jesus und als Folge b) den Gehorsam seiner wirklichen Nachfolger gegenüber Allah zu prüfen. Allah fragt Jesus etwa Folgendes: „Hast du mir den Gehorsam erwiesen, den ich von einem Stellvertreter erwarte? Oder wurdest du wie Adam ungehorsam und hast dich und deine Mutter als Götter neben Allah gesetzt? Und wurden deine Nachfolger irregeleitet oder sind sie mir gehorsam?” Es geht also um die Grundfrage des Islam: Erstens geht es um Jesu eigene „Hingabe“, „Ergebung“ oder „Unterwerfung“ unter den Willen Allahs. Und zweitens geht es wegen Jesu Stellung als Stellvertreter Allahs in der zweiten Schöpfung auch um das Schicksal der ganzen Menschheit, wie damals bei Adam. Sind Jesu Nachfolger, die sich ihm in Taufe und Abendmahl zu Gehorsam verpflichtet haben, damit Allah gehorsam oder lehnen sie sich damit rebellisch gegen IHN auf?
Allahs Reputation und die Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel
Aus dem Gesamtzeugnis des Korans wird deutlich, wie entscheidend die Antwort Jesu auf diese zentrale Frage Allahs ist. Bereits bei Adams Erschaffung sahen die Engel voraus, dass die gesamte Menschheit zutiefst aufständisch sein würde: ‘Und (erinnere daran), als dein HERR zu den Engeln sagte: "Gewiß, ICH setze auf der Erde einen Khalifa ein." Sie sagten: "Setzt DU etwa darauf ein, wer darauf Verderben anrichtet und Blut vergießt, während wir Dich mit Deinem Lob rühmen und uns für Dich rein halten?" ...’ (Bakara 2:30; Zaidan).
Die Engel betonen den Unterschied zwischen sich und den Menschen: Menschen gehorchen Allah nicht, richten daher Verderben an und vergießen Blut. Engel hingegen gehorchen Allah, lobpreisen ihn und halten sich rein. Eine aufständisch gesinnte, ungehorsame Menschheit, wie von den Engeln beschrieben, könnte niemals zu Allah zurückkehren. Sie würde sich im nächsten Augenblick wieder, wie Adam, zu Göttern neben Allah erheben und müsste, wie damals Adam und seine Nachkommen, auf die Erde hinuntergeschickt werden.
Seit dem Abstieg Adams auf die Erde lautet die große Frage der Menschheit: Wie kann die Menschheit so verwandelt werden, dass sie je wieder zu Allah zurückkehren könnte? Wie kann aus einer rebellischen Menschheit eine Allah ergebene Menschheit werden? Eben die Frage des Islams! Den Engeln antwortete Allah damals: "Gewiß, ICH weiß, was ihr nicht wißt" (Bakara 2:30; Zaidan), womit Er seine Wahl eines Menschen anstelle eines Engels für das Amt des Stellvertreters Gottes rechtfertigte. Auch in Zuhruf 43:60–61 bestätigt Allah seine Wahl des Menschen über die Engel: ‘Und wenn Wir es wollten, könnten Wir aus euren Reihen Engel hervorgehen lassen, (um euch [d.h. die Menschen]) auf Erden zu ersetzen. Doch wahrlich, er (Jesus) ist ein Vorzeichen der Stunde. So bezweifelt sie nicht, sondern folgt Mir. Das ist ein gerader Weg’ (M.A. Rassoul). In diesen Versen begründet Allah sein Vertrauen in die Menschheit eindeutig mit einem Hinweis auf Jesus und seine Rolle bei der Auferstehung (Zuhruf 43:61).
In Maide 5:109-115 hat Allah Jesus gerade als Stellvertreter der zweiten Schöpfung vorgestellt. War Allahs Wahl berechtigt? Würde sich jetzt bestätigen, dass sich der Mensch fürs Stellvertreteramt eignet? Hat sich Jesus während seiner ganzen Existenz in unerschütterlichem, absolutem Gehorsam Allah ergeben, oder ist auch er, wie alle Menschen vor und nach ihm, insbesondere Adam, aufständisch geworden?
Und als entscheidende Konsequenz: Waren die Menschen, die Jesus nachfolgten, ganz Allah untergeben? Oder waren sie einem Trugbild nachgefolgt, das sich als Gott neben Allah auflehnte? Waren die Menschen, die Jesus nachfolgten, in ihrer gehorsamen Unterordnung unter den Kalifen der zweiten Schöpfung auch Allah gehorsam? Hätte sich Jesus gegen Allah aufgelehnt, befänden sich logischerweise auch seine Nachfolger in rebellischer Auflehnung gegen Allah. Die Frage Allahs an Jesus wird damit zur grundlegenden Frage, ob Allah auf die richtigen Geschöpfe gesetzt hat und die Menschheit tatsächlich bereit ist, unter Jesu Kalifat zu Allah zurückzukehren.
Um diese Rückkehr der Menschheit zu Allah geht es schließlich beim Jüngsten Gericht. Die Frage Allahs an Jesus erweist sich somit als absolut grundlegend und zentral. Würde sich Gottes Versprechen, dass es sich beim Zustand der Entfremdung der Menschheit von Allah nur um eine zeitlich begrenzte Erfahrung handele und die Rückkehr der Menschheit zu Allah gelingen sollte, als wahr erweisen? War es mit dem zweiten Kalifen, Jesus, gelungen, die Menschheit wieder unter die Herrschaft Gottes zu vereinen, sodass die Rückkehr einer aufrührerischen Menschheit, die sich Jesus gehorsam unterstellt hat, zu Allah jetzt gelingen könnte? Ist der Zeitpunkt für die Rückkehr der Menschheit zu Gott durch die Auferstehung tatsächlich gekommen? Jesu Antwort (Maide 5:116–118) ist für die ganze Menschheit von außerordentlicher Bedeutung. Das weitere Geschick der gesamten Menschheit hängt von seiner Antwort ab. Mit anderen Worten, Allahs Reputation und die Zukunft der Menschheit steht bei dieser Frage auf dem Spiel: hatte Allah richtig vorausgesagt, dass sein Plan einer gehorsamen Menschheit verwirklicht werden konnte, und dass er mit Recht den Menschen, nicht aber die Engel als seine Stellvertreter auserwählt hat? Und würde die Rückkehr der Menschheit diesmal gelingen? Oder brauchte es noch mehr Zeit in der Gottferne auf der Erde, bevor die Rückkehr möglich würde?
Was motiviert Allah, Jesus eine kritische Frage zu stellen?
Damit können wir unsere Ausgangsfrage beantworten. Was motivierte Allah, Jesus eine kritische Frage zu stellen? Wie oben dargelegt, war Allahs Motivation das Konzept des „Islam”, das heißt, die Verwandlung der rebellischen Menschheit in eine Allah gehorsame Menschheit. Durch das Stellen der Frage schuf Allah die Möglichkeit der Beantwortung grundlegender Fragen der Menschheit und der Religion. Folgenden Aspekte werden mit ihr angesprochen: War Jesus die richtige Wahl Allahs zum Stellvertreter? Hat Jesus selbst absoluten Gehorsam vorgelebt? Führt Jesus mit der Gruppe seiner Nachfolger eine Allah-hingegebene, gehorsame Menschheit zurück zu Allah? Oder hat Jesus sein Kalifenamt wie Adam verwirkt und seine Nachfolger zur Rebellion gegen Allah angestachelt? War Allahs Vertrauen in die Menschheit gerechtfertigt und war der Moment für ihre Rückkehr zu Ihm gekommen? Oder war Allahs Plan mit der Menschheit gescheitert?
Jesu Antwort auf die kritische Frage von Allah und Allahs Reaktion werden uns zu diesen Themen wichtige Antworten bereitstellen.
1 Thompson, Keith. 2024. "The Origins of the Christian Idea of Trinity: Answering Jewish Charges of Heresy; Exhorting Pagans against Polytheism; Countering False Gnostics" Religions 15, no. 4: 402. https://doi.org/10.3390/rel15040402
- Siehe z.B. Justin Martyr, Dialogue with Trypho, speziell Kapitelnummern 55-68 in https://www.newadvent.org/fathers/01285.htm (besucht, 10/04/2026).
- Trypho in Kapitel 55: '… but now resume the discourse, and show us that the Spirit of prophecy admits another God besides the Maker of all things'. - Trypho in Kapitel 56: '… you have not proved from this that there is another God besides Him ...' - in Kapitel 68: 'And Trypho said, "You endeavour to prove an incredible and well-nigh impossible thing; [namely], that God endured to be born and become man."'
2 Wie früher gezeigt geht es in Nisa 4:153ff. um eine Diskussion zwischen Juden und Muhammed. Muslimische Ausleger haetten gerne, wenn die Diskussionspartner in Nisa 4:171 Christen waeren: F. Razi meint dazu: 'Du sollst wissen, dass Allah, der Allmächtige, nachdem Er die Zweifel der Juden ausgeräumt hatte [vermutlich Nisa 4:153-170], in diesem Vers fortan zu den Christen sprach.' Razi gibt den Inhalt von Nisa 4:171 frei formuliert folgendermassen wieder: „O ihr Leute der Schrift unter den Christen! Geht in eurer Religion nicht zu weit; das heißt, geht in der Verehrung des Messias nicht zu weit!“ Razi glaubt, dass: 'Dies ist so, weil Allah, der Erhabene, berichtet hatte, dass die Juden in der Verleumdung des Messias zu weit gegangen waren. Nun gehen auch die Christen in der Verehrung und Ehrerbietung ihm gegenüber zu weit. Die Absichten beider Seiten sind verwerflich und verpönt. Aus diesem Grund hat Allah zu den Christen gesagt: „Überschreitet nicht die Grenzen eures Glaubens.“' (Fahruddin er-Razi, Tefsir-i Kebir, Band 08 s. 426, in https://archive.org/details/kuran_uzerine/Fahruddin%20er-Razi%20Tefsir-i%20Kebir%20-%2008/page/425/mode/2up (besucht, 08/05/2026)). Im Koran finden wir für einen solchen Diskussionspartnerwechsel allerdings keinerlei Anzeichen. Vielmehr scheint Muhammed mit derselben Gruppe von Menschen ('die Leute der Schrift' (in v. 153 sind das die Juden), sind immer noch dieselben Leute der Schrift in v. 171) wie in Nisa 4:153-159 weiter zu diskutieren. Gemäss Koran muss man davon ausgehen, dass auch Nisa 4:171 gegen falsche Ansichten von Juden gerichtet ist. Razis Behauptung, Muhammed diskutiere ab v. 171 mit Christen ist reines Wunschdenken.
3 z.B. Apostelgeschichte
4 z.B. Justin Martyr, in his Dialogue with Trypho
5 z.B. Ignatius von Antakiya
6 Das Evangelium spricht davon, dass kurz vor dem Tag des Herrn, dem Jüngsten Gericht, nochmals ein „Mensch des Frevels” auftreten und göttliche Ehren für sich in Anspruch nehmen wird: ‘Lasst euch von niemandem verführen, in keinerlei Weise; denn zuvor muss der Abfall kommen und der Mensch des Frevels offenbart werden, der Sohn des Verderbens. Er ist der Widersacher, der sich erhebt über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, sodass er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott’ (2. Thessalonicher 2:3-4). Es scheint in der Natur des Menschen zu liegen, sich als Gott neben Allah erheben zu wollen oder jemandem zu folgen, der gegen Gott rebelliert. Anstatt Gottes Willen zu gehorchen, wählt die Menschheit immer wieder die Auflehnung gegen seine Gebote und maßt sich damit an, sich auf dieselbe Stufe mit Gott zu setzen – eben Götter neben Gott zu sein. Das daraus resultierende feindliche Gegeneinander soll in der Gottesferne auf der Erde ausgetragen werden.

1_(cropped).png)



Kommentare