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Wie reagiert man richtig auf den Kalifen Jesus – Teilnahme am Abendmahl (Teil 4)

  • kesfetmekursu
  • 26. Jan.
  • 18 Min. Lesezeit
Buntes Kirchenfenster: Kelch und Brot auf Teller, Traubenblätter auf blauem, geometrischem Hintergrund. Sakrale Symbolik.
Abendmahl (By Nheyob, cropped by Tahc - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39730001)

In der Brotrede Jesu (Johannes 6:22-59) wird das Wunder der Speisung der 5000 (Johannes 6:1-15) so ausgelegt, dass Jesus selbst als die wahre Lebensquelle des geistlichen Lebens enthüllt wird. Dies findet seine konkrete und sakramentale Realität in der Eucharistie. Mit anderen Worten: Johannes 6 spricht von der geistlichen Realität, die der physischen Eucharistiefeier zugrunde liegt.

Aufgrund der in früheren Blogs erwähnten vielen Ähnlichkeiten von Maide 5:112–115 mit Johannes 6 und damit verbundenem biblischen Material (z.B. Psalm 72; 1. Korinther 11), ist es also durchaus angebracht, die Beziehung zwischen dem Tisch vom Himmel und der Eucharistiefeier der Christen genauer unter die Lupe zu nehmen. In diesem Blog untersuchen wir die sprachlichen Ähnlichkeiten zwischen den Worten zur Beschreibung des Himmeltisches in der Sure Maide und der Sprache der Christen im Zusammenhang mit der Eucharistiefeier sowie mögliche Anspielungen in Sure Maide auf liturgische Elemente in frühen Anapahoren zur Abendmahlsfeier.


Lehnworte ‘Mâ‘ida’, ‘îd’ und ‘aya’

Beginnend mit Nöldke haben Islamwissenschaftler die interessanten sprachlichen Verbindungen zwischen Maide 5:112–115 und der Sprache rund um die Eucharistiefeier der Christen erforscht.

- Das Wort ‘Mâ‘ida’ stammt ursprünglich nicht aus dem Arabischen1 sondern scheint gemäss verschiedener Experten ein äthiopisches Lehnwort mit der Bedeutung „Tisch, Gerichte, Bankett”2 zu sein. Für uns interessant ist die Verbindung mit 1. Kor.10:21: „Tisch des Herrn” (d. h. Abendmahl) wird dort in den äthiopischen Bibeln3 mit Mâ‘ida übersetzt. Die Verbindung Mohammeds mit äthiopischen Christen durch seine dorthin geflüchteten Anhänger ist bekannt und muss daher bei der Auslegung von Sure 5, Verse 112–115 ernst genommen werden.4 Das zentrale Wort ‘Mâ‘ida’ im Abschnitt, weist also bereits klare Verbindungen zur Eucharistiefeier der Christen auf.

- Auch die Bezeichnung „Fest” (arab. ‘îden) ist gemäß den Experten ein Lehnwort aus dem aramäischen (‘ida), das die Bedeutung „Fest” oder „liturgisches Fest” hat und nur hier im gesamten Koran vorkommt.5 Die christliche Eucharistiefeier ist das älteste und mit Abstand bedeutendste liturgische Fest der Christen. Der Ausdruck ist eine passende Beschreibung für das christliche Abendmahl. Es gibt kein anderes christliches liturgisches Fest, das so sehr mit Essen verbunden wäre. Die Verbindung von Abendmahl mit liturgischem Fest passt perfekt.


- Weiterhin besteht die begründete Wahrscheinlichkeit, dass auch das Wort Zeichen” oder „Wunder” (arab. „aya”, siehe Maide 5:114) ein Lehnwort aus dem Wortschatz aramäischer Christen ist.6 Die Eucharistiefeier gilt als bedeutendes Zeichen für den neuen Bund, den Gott mit den Menschen schliesst (z.B. 1. Korinther 15:25). Schon die Juden in Johannes 6:30 stellen die Frage nach dem Zeichen des Messias. „Was tust du für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben?”. Jesus offeriert daraufhin das Zeichen des Abendmahls (siehe Johannes 6:32). Das Brot und der Kelch (Wein) beim Abendmahl stehen zeichenhaft für Jesu Körper und Blut. Das Mahl weist somit auf Jesu stellvertretenden Tod am Kreuz hin. Der Abendmahlsteilnehmer stärkt sich geistlich, zeichenhaft ausgedrückt durch die Einnahme von Brot und Wein. Zudem ist das Abendmahl ein Zeichen der Gemeinschaft der Gläubigen untereinander und mit Christus, was oft durch den Gemeinschaftskelch und das eine Brot betont wird (siehe 1. Kor. 10:16-17).


Der Tisch vom Himmel (Mâ‘ida) wird somit durch die beiden Begriffe „‘id” und „aya”, ein „liturgisches Fest” und ein „Zeichen”, beschrieben. Alle drei Wörter sind Lehnwörter aus christlichen Quellen und stehen in Beziehung zum christlichen Abendmahl. Jesu Bitte, „Sende uns vom Himmel einen Tisch herab, der (mit seinem Mahl) für uns ... eine [liturgische] Feier (`ied) und ein Zeichen von dir sein wird!” strozt also von christlichen Begriffen im Umfeld der Abendmahlsliturgie. Samir stellt zu Recht die Frage: „Ist dies nicht die passendste Definition der Eucharistie der Christen, die eine festliche Feier und ein sakramentales Zeichen ist?”7


Ist Jesus Gastgeber oder Inhalt der Speise?

In Johannes 6 identifiziert Jesus sich selbst mit der Nahrung, die den Tisch des Herrn, die Mahlzeit der Eucharistie, ausmacht: ‘Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn dies ist das Brot Gottes, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben. Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit solches Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten’ (Johannes 6:32-35). Etwas später fügte er hinzu: ‘Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt. ... Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht esst das Fleisch des Menschensohns und trinkt sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm.’ (Joh.6:51, 53-56).

In Maide 5:112–115 ist Jesus hingegen der aktive Bittsteller, der für seine Jünger einen Tisch vom Himmel herabbittet: "Du Allah, unser Herr (allaahumma rabbanaa)! Sende uns vom Himmel einen Tisch herab, der (mit seinem Mahl) für uns von jetzt an bis in alle Zukunft eine Feier (`ied) und ein Zeichen von dir sein wird! Und beschere uns (Gutes)! Du kannst am besten bescheren" (Maide 5:114).

Es scheint also ganz so, als ob das Evangelium im Gegensatz zum Koran, Jesus eine andere Rolle zuschreibt. So ist Jesus im Evangelium der Inhalt der Mahlzeit, im Koran hingegen der Bittsteller für die Mahlzeit. Wie lassen sich diese beiden widersprüchlichen Rollen versöhnen?


Bereits die ersten Christen stellten sich im Zusammenhang mit der Feier des ersten Herrenmahls am Abend vor Jesu Kreuzigung dieselbe Frage (vgl. Matthäus 26:17–30 und Parallelstellen). Jesus, als Gastgeber, setzte dort das Abendmahl mit den speziell für das Pessachfest zubereiteten irdischen Speisen ein. Während der Einsetzung behauptete Jesus jedoch, dass das Brot des Passamahls sein eigenes Fleisch repräsentiere und der vierte Weinkelch des Passamahls sein eigenes Blut sei. Die Frage, die sich hier stellt, lautet: Wie kann Jesus als Gastgeber von seinem eigenen Leib und Blut kosten? Und wie sollen die Jünger vom für sie gestorbenen Körper und Blut Jesu speisen, während er selbst noch lebendig unter ihnen weilte? Wie kann die irdische Passaspeise Jesus selbst darstellen?

Mittelalterliche Illustration eines gekleideten Mannes unter einem blauen Bogen, umgeben von Schriftzeichen und verblassten Farben.
By Gorgias Press - https://ptochotrophia.wordpress.com/2022/02/14/healing-pain-dr-erin-galgay-walsh-on-jacob-of-sarug/, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=137483719

Jakob von Serûgh gibt uns einen Einblick in die Antwort, die unter den frühen monophysitischen Syrern auf diese Frage vorherrschte. „Unser Herr teilte seinen Leib mit seinen Händen auf dem Tisch; und wer würde es jetzt wagen zu sagen, dass es nicht sein Leib war? Er sagte: „Dies ist mein Leib”; und wer würde das nicht bejahen? Denn wenn er es nicht bejaht, ist er kein Jünger der Apostel. Die Apostel stimmten ihm zu; und während er lebte und mit ihnen zu Tisch lag, aßen sie ihn; und obwohl er tot war, während er lebte, erkannten sie ihn ohne Zweifel. Wäre er nicht gestorben, dann wäre sein Brot nicht sein Leib gewesen; (S. 485) und wäre er nicht lebendig gewesen, hätte er seinen Leib nicht gebrochen und seinen Aposteln gegeben.’8 Jakob von Serûgh betont die Diskrepanz zwischen Jesus als Gastgeber und Jesus als Inhalt der Mahlzeit und führt sie auf sein doppeltes Amt als Hohepriester und Opfer zurück. Als Hohepriester opfert er sich selbst als perfektes Opfer vor Gott (siehe Hebräer 9:11–12). „Er, unser Herr, ist der Hohepriester des vollkommenen Opfers; und deshalb opferte er sich selbst vor seinem Vater. Er ist der Tote, der, als er starb, lebendig war und nicht untersucht wurde, Priester und Brandopfer, dessen Untersuchung für die Streiter zu hoch ist.”9 Für Jakob von Serûgh ist es somit kein Widerspruch, Jesus sowohl als Gastgeber des himmlischen Mahles als auch als dessen Inhalt zu verstehen. Somit kann auch Maide 5:112-115 mit dem christlichen Abendmahl in Übereinstimmung gesehen werden.


Christlich Liturgische Elemente in Maide 5:112-115

Schließlich betrachten wir Maide 5:112–115 auch vor dem Hintergrund der zur Zeit Muhammads gängigen Liturgien im Zusammenhang mit der christlichen Eucharistiefeier. Diese Untersuchung wird uns dabei helfen, weitere Bezüge im Bericht vom Tisch des Himmels im Koran zu verstehen.


Jesus gab den Jüngern ein Vorbild dafür, wie sie die Eucharistie an die Gläubigen austeilen sollen, indem er das ihn repräsentierende Himmelsmahl selbst austeilte. ‘Er brach und teilte seinen Leib mit seinen Händen unter seinen Zwölf, die, hätten sie nicht gesehen, wie er ihn brach, ihn nicht gebrochen hätten. Er stand als Priester da und übte die priesterliche Funktion unter seinen Jüngern aus, damit er ihnen ein Vorbild für das Priestertum geben konnte, das sie nachahmen sollten. Er lehrte sie, wie sie seinen heiligen Leib brechen und an die Söhne des Hauses des Glaubens verteilen sollten (S. 487). Er machte ihnen bekannt, wie sie den Kelch seines Blutes trinken und ihn den Völkern, Welten und Regionen zu trinken geben sollten. Mit seinem Blut besiegelte er den neuen Bund, den er geschlossen hatte, damit die Schulden für immer erlassen würden. Er lehrte Simon und gab Johannes ein Beispiel, dass sie tun sollten, was er getan hatte, wenn er aufgenommen würde.’10

Es scheint ganz so, als würde im Bericht vom Himmelmahl in Maide 5:114 die Funktion Jesu, beim Abendmahl als Priester zu dienen, ernst genommen. Allerdings verläuft der Einfluss in die umgekehrte Richtung. Nicht Jesus setzt das Beispiel für spätere christliche Priester, sondern Jesus handelt nach dem Beispiel der Priester, die Mohammed beim Austeilen der Eucharistie persönlich gesehen haben könnte. Nicht nur der Bericht des Evangeliums bestimmt die beschriebene Feier, sondern die Muhammad bekannten Eucharistiefeiern spiegeln sich in der Art und Weise, wie Jesus das Mahl zelebriert, wider. Jesus leitet in Maide 5:114 sozusagen eine Eucharistiefeier, wie sie um 600 n. Chr. in Muhammad bekannten Kirchen gefeiert worden wäre.

In der frühen Kirche wurde das Abendmahl gemäß festgelegter Liturgien gefeiert. Einige dieser sogenannten „Anaphoren” sind uns bekannt und folgen alle einem ähnlichen Schema. Maide 5:112–115 folgt keinem dieser Schemata genau, dennoch lassen sich einige Elemente der Herabsendung des Himmelstisches am besten innerhalb dieser Schemata verstehen.


- Samir deutet auf den Zusammenhang zwischen Jesu Bitte „... und versorge uns; denn du bist der beste Versorger” (Maide 5:114; Rassoul) und der Bitte ums tägliche Brot im Vaterunser, das jeweils gleich im Anschluss an das Abendmahl gebetet wird: „Unser tägliches Brot [wörtlich: das Brot für morgen] gib uns heute ...” (Matthäus 6:11).11


- Ein Vergleich der Anaphora der apostolischen Tradition (auch Anaphora von Hippolytus, ca. Mitte des 3. oder 4. Jahrhunderts), einer der ältesten Liturgien, mit Maide 5:112–115 liefert folgende thematische Übereinstimmungen:


Anaphore von Hippolytus

Maide 5:113-114

Epiklesis (1)

Und wir bitten dich, dass du deinen Heiligen Geist auf die Opfergaben deiner heiligen Kirche sendest, damit du sie zu einer Einheit vereinst,

"Jesus, der Sohn der Maria, sagte: ""Du Allah, unser Herr (allaahumma rabbanaa)! Sende uns vom Himmel einen Tisch herab,"""

Epiklesis (2)

gewähre allen deinen Heiligen, die daran teilhaben, mit dem Heiligen Geist erfüllt zu werden, damit ihr Glaube in der Wahrheit bestätigt werde und wir dich preisen und verherrlichen können.

5:113: "Sie sagten: ""Wir möchten von ihm essen und ganz sicher sein und Gewißheit (darbür) haben, daß du uns die Wahrheit gesagt hast, und (wir möchten) über ihn Zeuge sein."""

Doxology

Durch deinen Diener Jesus Christus, durch den dir Ehre und Ruhm gebührt, mit dem Heiligen Geist in der heiligen Kirche, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

"""Sende uns vom Himmel einen Tisch herab, der (mit seinem Mahl) für uns von jetzt an bis in alle Zukunft eine Feier (`ied) und ein Zeichen von dir sein wird! Und beschere uns (Gutes)! Du kannst am besten bescheren."""

Da die wörtliche Übereinstimmung zwischen der Anaphora und dem koranischen Bericht begrenzt ist, sind einige Worte der Erklärung angebracht:

a) Wie aus der Darstellung ersichtlich wird, geht es sowohl beim „Tisch vom Himmel” in Sure 5 als auch beim Abendmahl um die Herabrufung einer mit Nahrung verbundenen Gabe Gottes. Beim Abendmahl ist es die Herabrufung des Heiligen Geistes über die eucharistischen Gaben (Epiklese (1)), das heißt die Verwandlung von irdischem Brot und Wein in die göttliche Himmelsspeise durch den herabgesandten Geist Gottes.12 ‘Epiklesis‘ meint die Anrufung des Heiligen Geistes.13 Im Koran geht es hingegen um die eigentliche Herabsendung des Tisches vom Himmel. Die Herabrufung der transformierenden Kraft des Heiligen Geistes entspricht somit der Herabrufung der eigentlichen Himmelsspeise. Beide haben die Versorgung der Gläubigen mit himmlischer Speise zum Ziel.


b) In beiden Texten geht es um die Einheit der Gläubigen. Wie im obigen Beispiel gezeigt, wird in der Vorbereitung auf die Teilnahme am Abendmahl in der Epiklese (1 und 2) um die Einheit der Gläubigen gefleht. In den in späteren Anaphoren eingefügten Bittgebeten wird diese Einheitsbitte noch erweitert, indem die Gemeinde um Einheit mit der Kirche der Vergangenheit (Toten), der Gegenwart (Papst und Bischöfe usw.) und der Zukunft (Heiligen) bittet’14, die dort zum Teil namentlich erwähnt werden15; In Maide 5:114 bittet Jesus als Leiter der Zeremonie der Herabsendung der himmlischen Speise darum, „dass er ein Fest für uns sei, für den Ersten von uns und für den Letzten von uns” (Ahmadeyya), „von jetzt an bis in alle Zukunft” (Paret) oder, wie Sayyid Qutb die beiden Aspekte verbindend übersetzt: „Sende uns eine Speise vom Himmel herab: Sie soll für uns ein immerwährendes Festmahl sein – für den Ersten und den Letzten von uns.” (Maide 5:114)16. Das heißt, auch der Himmelstisch in Maide 5 verbindet den Ersten unter den Jüngern mit dem Letzten und dazu auch noch über alle Generationen hinweg – „von jetzt an bis in alle Zukunft”. Diese Funktion des Abendmahls als Einheitsstifter wird bereits im Evangelium hervorgehoben:  „... Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist’s. So sind wir, die vielen, ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben” (1. Korinther 10,16f.).


c) Die Teilnahme am Mahl soll zur Stärkung des Glaubens der Nachfolger Jesu führen (siehe Epiclesis 2 und Maide 5:113). Die Bitte der Jünger in Maide 5:113 – „Wir wollen davon essen, damit unsere Herzen sicherer Glaube erfüllt und wir erkennen, daß du uns die Wahrheit ausgerichtet hast, und wir werden dieses Wunder Gottes bezeugen’ (Azhar) findet ihr Pendant in Epiklesis (2): „gewähre allen deinen Heiligen, die daran teilnehmen, dass sie mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, damit ihr Glaube in der Wahrheit bestätigt wird, damit wir dich preisen und verherrlichen können.“ In beiden Fällen geht es um dieselben Themenbereiche: Glauben, Wahrheit und anschließende Bezeugung – in der Anaphora durch „preisen und verherrlichen”.


Wie reagiert man richtig auf den Kalifen Jesus – Teilnahme am Abendmahl

Wir schließen daraus, dass es sich bei dem wiederkehrenden Fest in Maide 5:114 um das christliche Abendmahl handelt. Diese Identifizierung wird durch exegetische, sprachliche und liturgische Überlegungen unterstützt. Exegetische Überlegungen sind der Vergleich mit Johannes 6 und dem zugrundeliegenden alttestamentlichen Hintergrund, die Einsetzung des Abendmahls im Evangelium und die Warnung von Paulus in 1 Kor 11. Sprachliche Überlegungen sind die vielen Lehnwörter in Maide 5:111–115, die alle aus dem christlichen Äthiopischen oder Aramäischen stammen und direkt mit dem Abendmahl in Verbindung stehen. Liturgische Überlegungen sind, dass Jesus wie ein Priester in der Abendmahlsliturgie bittet und die Auswirkungen auf die Teilnehmenden dieselben sind.


Die in den letzten Blogs aufgezeigten Verbindungen zwischen Maide 5:112–115 und der christlichen Feier des Abendmahls erklären auch die bekannte Uneinigkeit der Gelehrten darüber, worauf sich diese Maide-Passage im Evangelium bezieht. Es ist nicht ein einziger Text, der Maide 5:112–115 zugrunde liegt, sondern verschiedene Texte im Alten und Neuen Testament, die mit dem Abendmahl in Verbindung stehen.

Einige Elemente in Sure 5, Verse 112–115, die sich nicht durch das Evangelium erklären lassen, finden Parallelen in den Abendmahlsliturgien der frühen Kirche. Meiner Meinung nach lässt sich Maide 5:112-115 am besten als kreative Vermischung verschiedener christlicher Zeugnisse zum christlichen Abendmahl verstehen. Jesus nimmt dabei die Position des das Abendmahl zelebrierenden Priesters ein, wie er dies gemäß dem Evangelium beim Abhalten des ersten Abendmahls noch vor seinem Tod tatsächlich getan hat.


Wie in den letzten Blogs dargelegt, bezieht sich Allah im Rahmen der Erwähnung der ihm von Jesus erwiesenen Gnade beim Bericht über den Himmelstisch auf das Abendmahl der Christen. Wie reagiert man richtig auf den Kalifen Jesus? Maide 5:112–115 gibt eine klare Antwort: durch Teilnahme am Abendmahl!



1 ‘… māʾida ... is likewise difficult to explain on the basis of Arabic (the root m-y-d in Arabic has the meaning “to be moved, to waver”). Like ḥawwāriyyūn, al-māʾida also has no obvious precedent in Syriac and seems instead to be related to an Ethiopic term, in this case māʾedd, “table“’ (G.S. Reynolds, “On the Qurʾān’s Māʾida Passage and the Wanderings of the Israelites,” The Coming of the Comforter: When, Where, and to Whom? Studies on the Rise of Islam in Memory of John Wansbrough, ed. B. Lourié, C.A. Segovia, and A. Bausi (Piscataway, NJ: Gorgias, 2011), ss. 91-108, s. 96). Allerdings gibt es auch die Meinung, dass das Arabische Wort ‘mâ‘ida’ vom Arabischen ins Aethiopische übergegangen sei (siehe Praetorius oder Littmann wie erwaehnt in M. Kropp, ‘Viele fremde Tische, und noch einer im Koran: Zur Etymologie von äth. maʾǝd(dǝ) und arabisch māʾida / mayda’, Published in Oriens Christianus. 87. 2003. ss. 140-143).


2 ‘Mâ‘ida in the Qur'ân (Q 5, 112; 114) is a clear borrowing from Ethiopic Mâ'ǝd(d)ǝ with the meaning "table; dishes; banquet." As usual for the words for "table" in these languages it is a foreign word, having no etymological explanation in Semitic. The etymon is most probably (vulgar) Latin or Koine Greek magida "table; plate of wood, silver and so on," only rarely attested in literature. The translators of the Ethiopic Bible replaced consequently tarapeza by mâ‘ida thus following the general guidelines for early Christian Bible translators: to use a popular, generally understood language, not necessarily a literary one. This is naturally even more the case when there was yet no literary language, when it had to be created exactly by Bible translation. For the case of Ethiopic and Ge'ez, however, we have to acknowledge an already existing literary tradition, that seen the pagan Aksumite inscriptions. The plausible conclusion is that magida was a currently used, "popular" word in Ga'az at the time, part of a lexical layer of loanwords that resulted from the multifold contacts and exchanges between Ethiopia and the Mediterranean world in Late Antiquity.’ (Kropp, M. “Beyond Single Words: Ma’ida—Shaytan—jibt and taghut. Mechanisms of transmission into the Ethiopic (Geʿez) Bible and the Qur’anic text.” In Reynolds, G. S., ed. The Qurʾān in Its Historical Context, (204–16) 206–7. London: Routledge, 2008).


3 Diese Übersetzung wurde bereits im 6. Jahrhundert oder sogar früher gemacht (Wikipedia contributors. Bible translations into Geʽez [Internet]. Wikipedia, The Free Encyclopedia; 2024 Mar 29, 13:11 UTC [cited 2024 Jul 31]. Available from: https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Bible_translations_into_Ge%CA%BDez&oldid=1216162166).


4 ‘... there is unanimity between Muslims and non-Muslims on the fact that this sura is one of the last, if not the last, of the Qur’an. That is to say that it is certainly posterior to the return from Ethiopia of the last Meccan emigrants. This would support the fact that this [the word māʾida] would be a borrowing from Ethiopian Christianity’ (Samir, S. K. “The Theological Christian Influence on the Qurʾān: A Reflection.” In Reynolds, The Qurʾān in Its Historical Context, (141–62) 149).


5 ‘The term ‘Id is found nowhere else in the Qur’an. According to unanimous scholarly opinion it is a borrowing from the Syriac ‘ida, which signifies “Feast” or “liturgical festival.”’ (Samir, S. K. “The Theological Christian Influence on the Qurʾān: A Reflection.” In Reynolds, The Qurʾān in Its Historical Context, (141–62) 149). ‘Hz. Îsâ’nın duasında yer alan ve “ziyafet” diye çevirdiğimiz îd kelimesi “dinî, millî, yöresel bayramlar veya belirli münasebetlerle yapılan toplantılar ve sevinçlerin paylaşıldığı özel günler” anlamındadır’ (Kur'an Yolu Tefsiri Cilt: 2 Sayfa: 362-366 in Mâide Suresi 112-115. Ayet Tefsiri - Diyanet İşleri Başkanlığı (besucht: 16/08/2024).


6 So z.B. Christoph Luxenberg in The Syro-Aramaic Reading, s. 197 Fussnote 262, oder Samir, S. K. “The Theological Christian Influence on the Qurʾān: A Reflection.” In Reynolds, The Qurʾān in Its Historical Context, (ss. 141–62) s. 149.


7 ‘As for the word aya, “sign,” we have seen that it is also probably a borrowing from Syriac Christians. This ma’ida is thus defined by two terms: ‘id and aya, a “Feast” or “liturgical festival” and a “sign.” Is this not the most appropriate definition of the Eucharist of Christians, which is a festive celebration and a sacramental sign? Even more, it seems evident that in this passage we are dealing with a rather faithful description of Christian faith, otherwise not shared by Muslims. How could this be?’ (Samir, S. K. “The Theological Christian Influence on the Qurʾān: A Reflection.” In Reynolds, The Qurʾān in Its Historical Context, (ss. 141–62) s. 149).


8 Jacob of Serugh, Homily extracts, tr. by R.H.Connolly. The Downside Review 27 (1908) ss. 278-287, A HOMILY of MAR JACOB of SERÛGH ON THE RECEPTION OF THE HOLY MYSTERIES, ss 286f., in https://www.tertullian.org/fathers/jacob_serugh_homily_extracts.htm (besucht: 19/08/2024).


9 Jacob of Serugh, Homily extracts, tr. by R.H.Connolly. The Downside Review 27 (1908) ss.278-287, A HOMILY of MAR JACOB of SERÛGH ON THE RECEPTION OF THE HOLY MYSTERIES, ss 286f., in https://www.tertullian.org/fathers/jacob_serugh_homily_extracts.htm (besucht: 19/08/2024).


10 ‘His Body with His hands our Lord divided upon the table; and who is he that will dare to say now that it was not the Body? He said "This is My Body"; and who will not affirm it? For if he affirm it not he is no disciple of the apostleship. The Apostles assented to Him; and while He was alive and reclining with them they ate Him; and dead whilst living they knew Him (to be), without doubting. If He were not dead, then His bread was not His Body; (p. 485) and if He were not alive He would not have broken His Body and given to His Apostles.

He brake the bread, and made it the Body, and gave to His Apostles; and the taste of the Body, wherein was life, was in their mouths. From when He took it and called it Body it was not bread, but His Body, and it (or "Him") they were eating whilst they marvelled. They eat His Body, and He is reclining with them at the table; and they drink His Blood, and they hear the voice of His teaching. They affirm that He is slain, whilst they look upon Him alive and speaking; and He is mingled with them whilst they eat Him, without doubt. And faith is bright and stands manfully, and doubts not either that He is alive or that He is slain. And He reclines slain at the table, and is not investigated; and they drink His Blood and affirm that it is Blood, while He is alive. And there are not there, neither pryers nor disputers, (p. 486) nor investigators, nor yet scribes of wise (opinions). They were not questioning, when there was place to ask: "Dost Thou indeed call it Body, Lord, when lo, it is bread? " Faith stoops not to questionings: she knows to affirm; to investigate she has never learned. The Apostles were anxious to assent to the Son, not to investigate or question as daring (men). The bread that He brake and called His Body, Body they knew it (to be); and thus they thought, that yea, in truth His Blood was dropping (there). Who would have been able to sacrifice the Son before His Sire, unless He had sacrificed Himself by His own hands before He suffered? He, our Lord, is the High Priest of the perfect Sacrifice; and therefore He sacrificed Himself before His Father. He is the Dead who when dead was alive, and was not investigated, Priest and Burnt Offering, whom to examine is too high for the disputers. He brake and divided His Body with His hands to His twelve, who, if they had not seen how He brake, would not have broken. He stood as Priest and performed the priest's function upon Himself among His disciples, that He might depict a type to the priesthood for it to imitate. He taught them how to break His holy Body and distribute it to the sons of the household of the faith, (p. 487) He made known to them how they should drink the cup of His Blood, and give the nations and worlds and regions to drink of it. With His Blood He sealed the new Covenant, which He made that it might be for remission of debts for ever. Simon He taught, and to John He gave an example, that as He did they should be doing when He was taken up.’ (Jacob of Serugh, Homily extracts, translated by R.H.Connolly. The Downside Review 27 (1908) ss.278-287, A HOMILY of MAR JACOB of SERÛGH ON THE RECEPTION OF THE HOLY MYSTERIES, ss 286f., in https://www.tertullian.org/fathers/jacob_serugh_homily_extracts.htm (besucht: 19/08/2024)).


11 ‘Thus this brief Qur’anic phrase, marvelous in its conciseness, probably invokes the Lord’s Prayer, which is always connected to the Eucharist in the tradition of the Eastern churches. The thematic unity of this verse thus becomes even more evident’ (Samir, S. K. “The Theological Christian Influence on the Qurʾān: A Reflection.” In Reynolds, The Qurʾān in Its Historical Context, (ss. 141–62) s. 151).


12 In der ‘Divine Liturgy of St. James’ (Enstehungsdatum: spaetes 4., Anfangs 5. Jahrhundert) wird die Bedeutung der Herabrufung des Heiligen Geistes noch deutlicher: Priest: ‘… and send forth upon these holy gifts, here set forth, Thine all-holy Spirit, (bowing) the Lord and giver of life, enthroned with Thee, God and Father, and Thine only-begotten Son, co-reigning, consubstantial and co-eternal, who spoke by the Law and the Prophets and by Thy New Covenant, who came down in the form of a dove upon our Lord Jesus Christ in the river Jordan, and rested upon him, who came down upon Thy holy Apostles in the form of fiery tongues in the upper room of holy and glorious Sion on the day of Pentecost. (Standing up) Thy same all-holy Spirit, Lord, send down on us and on these gifts here set forth,

(aloud): that having come by his holy, good and glorious presence, He may sanctify this bread and make it the holBody of Christ,

People: Amen.

Priest: and this Cup (chalice) the precious Blood of Christ,

People: Amen.

The Priest signs the holy Gifts and says in a low voice: that they may become for all those who partake of them for forgiveness of sins and everlasting life. For sanctification of souls and bodies. For a fruitful harvest of good works. For the strengthening of Thy holy, Catholic and Apostolic Church, which Thou didst found on the rock of the faith, so that the gates of Hell might not prevail against it, delivering it from every heresy and from the scandals caused by those who work iniquity, and from the enemies who arise and attack it, until the consummation of the age.’


13 Epiklese (griech. „Anrufung“) bezeichnet in der Liturgie das feierliche Gebet, in dem der Priester den Heiligen Geist anruft, damit er Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi verwandelt, sowie die generelle Bitte um Gottes Gegenwart im Gottesdienst.


14 Seite „Hochgebet“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 7. April 2024, 06:49 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hochgebet&oldid=243836746 (Abgerufen: 12. August 2024, 15:26 UTC)


15 An dieser Stelle der Abendmahlsliturgie werden ‘The names of the living and the dead who have passed away in the faith of Christ are then read from Church books , and it is clear that in the few of them who are mentioned, all the living and the departed are implicitly mentioned. This is done for the teaching of what took place in the Economy of Christ our Lord, of which the present service, which is (Divine) help for all, living and dead alike, is the commemoration. Indeed the living look to the future hope, while the dead are not really dead but cast in a sleep in which they remain in the hope, for which our Lord received His death, which we are commemorating in this Sacrament’ (Alphonse Mingana, Commentary of Theodore of Mopsuestia on the Lord’s Prayer and on the Sacraments of Baptism and the Eucharist, Woodbrooke Studies 6, https://archive.org/details/woodbrooke6/page/n117/mode/2up?view=theater ss. 94f.).


16 Sayyid Kutb, In the Shade, s. 246.


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