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Wie reagiert man richtig auf den Kalifen Jesus? – Teilnahme am vom Himmel herab-gesandten Tisch (Teil 2)

  • kesfetmekursu
  • 5. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit
Person holding a cup of dark liquid and a loaf of bread, wearing a cream robe. The setting is simple and minimalistic.
Jesus offeriert Speisen vom Himmelstisch (created by chatgpt.com)

Wie im letzten Blogbeitrag beobachtet, gibt es verschiedene Vorschläge, auf welche Quellen sich die Erzählung vom Tisch des Himmels im Koran (Maide 5:112–115) beziehen könnte: das Evangelium, die Tora oder außerbiblische Quellen. Aufgrund der ihr beigemessenen Wichtigkeit in der Formation der Jünger Jesu ist es eher unwahrscheinlich, dass sich diese Episode gar nicht im Evangelium wiederfindet. Deshalb scheinen Bezüge auf ausschließlich alttestamentliche Berichte – wie das Manna-Wunder zur Zeit Moses oder die entsprechenden Erwähnungen in den Psalmen (z. B. Psalm 78) – die Wichtigkeit des Ereignisses im Leben der Jünger nicht ernst zu nehmen. Aus der Liste der möglichen Bezüge bleiben die Berichte von Brotvermehrungen durch Jesus, die Einsetzung des Abendmahls und die Vision von Petrus in der Apostelgeschichte 10. Weitere Möglichkeiten sind außerbiblische Bezüge, wie sie im „Evangelium der zwölf Apostel” berichtet werden, oder wie sie in den Liturgien zum Abendmahl reflektiert werden. Wie bereits erwähnt, scheint mir ein Bezug auf die Erklärung des Abendmahls, wie sie in Johannes 6 dargelegt wird, am überzeugendsten. Diese Ansicht möchte ich im Folgenden belegen.


Der Bezug zu Johannes 6:27–52, wie in Diatessaron 19:16–35 wiedergegeben, beruht auf folgenden Beobachtungen:

  • In beiden Texten wird Jesus von seinen Nachfolgern (Maide 5:112; Johannes 6:60–66) um die Herabsendung eines Tisches bzw. von Brot aus dem Himmel gebeten (Maide 5:112; Johannes 6:30f.).

  • Diese Bitte wird in beiden Texten von Jesus korrigiert (Maide 5:112b; Johannes 6:32, siehe auch 26–27).

  • In beiden Texten geht es um einen Diskurs über die folgenden Themen: „Zeichen” (Maide 5:114; Johannes 6:26, 30), „Glauben” (Maide 5:112 (mu/minîn(e)), 113 (tatme-inne); Johannes 6:29, 30, 35, 36, 40, 47, 64, 69), „Unglaube” (Maide 5:115 (yekfur); Johannes 6:64), und „zeugen” (Maide 5:113 (şşâhidîn(e)); Johannes 15:27).

  • In keiner der beiden Erzählungen wird über die physikalische Herabsendung der Nahrung berichtet, es sei denn als Verheißung (Maide 5:115) und im übertragenen Sinne als den Leib und das Blut Jesu (Johannes 6:51–58).

  • Beide Texte beziehen sich auf Psalm 78 (Johannes 6:31 zitiert Psalm 78:24; der Koran bezieht sich ebenfalls auf Psalm 78:24f.: „... gab ihnen Himmelsbrot”). Brot der Engel aßen sie alle“ (siehe Maide 5:114) und Psalm 78:19). Die Frage der Jünger in Maide 5:112 ("... Kann dein Herr uns (wohl) einen Tisch (mit Speisen) (maa§ida) vom Himmel herabsenden? ...") scheint auf Psalm 78:19 zu beruhen. Dort fordern die Juden zur Zeit Moses Gott mit folgenden Worten heraus: „Kann Gott wohl einen Tisch bereiten in der Wüste?

  • Johannes 6 und Maide 5:112–115 beziehen sich auf die Ereignisse bezüglich der Versorgung mit Manna, wie sie im Buch Exodus beschrieben sind. Allerdings nur insofern, als dass sie mit dem Tun Jesu in Verbindung stehen: Jesu Gebet, ‘ALLAH, unser HERR! Sende uns einen mit Speisen gedeckten Tisch vom Himmel herab, damit dieser ein immer wiederkehrendes Fest für uns wird - für die Ersten und für die Letzten von uns [Zaidan], und ein Zeichen von Dir; und gib uns Versorgung, denn Du bist der beste Versorger [Ahmadeyya]’ (Maide 5:114) - bezieht sich auf Exodus 12:14: ‘Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.’ In Johannes 6 nehmen die interessierten Juden direkt Bezug auf das Mannawunder zur Zeit Mose (Johannes 6:31f.).

  • Die Aufforderung des Diatessaron „Tuʾminū bi-man ārsala“ (Glaubt an den, den [Gott] gesandt hat) (vgl. Johannes 6:29; Ciasca 1888: 75; die arabische Erstausgabe, das syrische Diatessaron ist verloren gegangen; die Peshitta hat „d-thymnwn b-mn d-hw šdr“), das heißt an Jesus, wird im Koran durch Gottes Gebot „’Āminū bī wa-bi-Rasūlī“ (Glaubt an Mich und an Meinen Gesandten) (vgl. Maide 5:111) wiedergegeben, das heißt an Gott und Jesus.1

  • Beide Texte weisen indirekt auf ein zeichenhaftes, immer wiederkehrendes Fest für Allah gehorsame Menschen hin (vgl. Maide 5:114 und das Herrenmahl in Johannes 6). Dabei wird im Zusammenhang mit diesem Mahl sowohl im Koran (Maide 5:115) als auch im Evangelium (1. Korinther 11:27–32) mit harten Worten vor einer unwürdigen Teilnahme gewarnt.


Wie aus der obigen Liste deutlich hervorgeht, sind die Übereinstimmungen zwischen Maide 5:111–115 und Johannes 6 zu offentun könnte. Gleichzeitig gibt es zu große Unterschiede zu allen anderen vorgeschlagenen christlichen Texten, die dem koranischen Bericht über den Tisch vom Himmel als Grundlage zugedacht wurden.2 Vor allem hat sich weder die Episode aus der Apostelgeschichte 10 noch diejenige, die im „Evangelium der zwölf Apostel” erwähnt ist, zu einer religiösen Feier für alle Gläubigen entwickelt. Wir können sie daher getrost als für den Bericht in Maide 5:112–113 nicht zutreffend beiseitelegen. Trotzdem verlangen einige Eigenheiten der koranischen Erzählung einer Erklärung, die über den Bericht des Brotvermehrungswunders und der anschließenden Diskussion in Johannes 6 hinausgeht. Diese findet sich einerseits in dem Johannesbericht zugrunde liegenden jüdischen Denken und andererseits in der aus Johannes 6 entwickelten christlichen Feier des heiligen Abendmahls, wie wir im nächsten Blog aufzeigen werden.



1 Zellentin, The Quran Seminar QS9, s. 117.

2 ‘Broadly speaking, the structure of the dialogue between the Apostles and Christ is not very different, following the same questions and answers. There are many other places in the Scripture that can be linked to the Qur’an text, but for each one there are differences that cannot be totally cancelled’ (Oliviu Petru Botoi, ‘The Qur’anic Image of “the Table Descended from Heaven” – an Apocryphal Reproduction of the Biblical Eucharist’ s. 181, in International Journal of Orthodox Theology 5:3 (2014), ss. 165-183)).

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