Wie reagiert man richtig auf den Kalifen Jesus? – Teilnahme am vom Himmel herab-gesandten Tisch (Teil 1)
- kesfetmekursu
- 5. Dez. 2025
- 9 Min. Lesezeit
In den letzten Blogs haben wir die Geschehnisse beim Jüngsten Gericht behandelt.

Alle Gesandten (Engel und Propheten etc.) werden vermutlich zusammen mit ihren Nachfolgern von Allah zusammengerufen. Vor ihren Augen wird dann ein Fürsprecher ausgewählt. Gottes Wahl fällt auf Jesus. Zur Rechtfertigung seiner Wahl erinnert Gott in Maide 5:110 die Anwesenden daran, inwiefern er Jesus (und seine Mutter) während seines irdischen Lebens begünstigt hat. Die Gnaden, die Jesus gewährt wurden – seine außerordentliche Geburt, die Stärkung mit dem Heiligen Geist während seines irdischen Daseins, die vollständige Offenbarung, die er von Gott erhielt, und die außerordentlichen Wunder, die er mit Gottes Erlaubnis wirkte – weisen darauf hin, weshalb Gott ausgerechnet Jesus aus allen Gesandten wählt, und haben daher Zeichencharakter. Die Tatsache, dass der Zustand Jesu in dieser Situation dem Adams bei seiner Erschaffung gleicht (Al-i Imran 3:59), half uns, die Zeichen zu interpretieren. Alle während des Erdenlebens gewährten Vorzüge deuten auf Jesu spezielle Position in der zweiten Schöpfung hin. Gott hat ihn mit den erwähnten Gnaden schon auf Erden als Stellvertreter/Kalifen in der zweiten Schöpfung angekündigt. Gottes Wahl beim Jüngsten Gericht ist daher nicht völlig überraschend. Jesus hätte bereits zu Lebzeiten als der Erstgeborene der neuen, zweiten Schöpfungsordnung erkannt werden
können. In Anlehnung an die erste Schöpfungsordnung wird Jesus wie damals Adam mit Gottes eigenem Geist ausgerüstet. Er empfängt wie Adam allumfassendes göttliches Wissen, und Allah gibt ihm wie damals Adam die ausdrückliche Erlaubnis, Gott vorbehaltene Taten als sein Stellvertreter auszuüben. Aufgrund dieser klaren Parallelen zum Anfang der ersten Schöpfungsordnung ist nur eine Schlussfolgerung möglich: Wie damals bei Adam erfordert diese Stellung Jesu als Stellvertreter Gottes absoluten und hingebungsvollen Gehorsam aller Gesandten Gottes und ihrer Nachfolger.

Leider wurden die göttlichen Zeichen in Jesu Leben nicht von allen richtig gedeutet. Die Juden zur Zeit Jesu verpassten es beispielsweise, in den Wundertaten Jesu Allahs Zeichen zu erkennen. Sie hielten sie fälschlicherweise für mit negativen magischen Kräften gewirkte Zaubereien. Anstatt in Jesus den Kalifen Gottes zu erkennen, hielten sie ihn für einen Gotteslästerer, Zauberer und Volksverführer. Anstatt sich vor Gottes Kalifen im Gehorsam zu unterwerfen, überheben sie sich gegenüber Jesus – genauso wie damals Satan im Zusammenhang mit Adam – und machen sich damit schuldig gegenüber Allah. Jesu irdisches Sein und Wirken wird bei denen, die die manifestierten Zeichen Gottes nicht richtig deuten, Anlass zum göttlichen Gericht sein. Die Reaktion der Menschen auf Jesus als Kalifen Gottes während ihres irdischen Lebens wird zum Entscheidungsfaktor für ihren persönlichen Ausgang beim Jüngsten Gericht (Sure 3:55; 4:159; 5:118–120).
Im Verlauf des Jüngsten Gerichts erklärt Allah aber auch, wie man sich zu Lebzeiten gegenüber Jesus richtig verhalten hätte sollen. Die Jünger Jesu werden als Vorbild richtigen Verhaltens beispielhaft hervorgehoben (vv. 111 ff.). Um im irdischen Jesus Allahs Kalifen in der zweiten Schöpfungsordnung zu erkennen, bedarf es göttlicher Inspiration (Maide 5:111). Die totale Hingabe an Jesus als Gottes Kalifen, wie sie in der christlichen Taufe bezeugt wird, ist die angemessene Reaktion auf eine solche Erkenntnis. Öffentliche Akzeptanz von Jesus als Kalifen Gottes resultiert in aktiver Beteiligung an der Ausführung seines Auftrags. Als „Helfer Gottes” gehören sie zu den Bezeugenden der ihnen bezüglich Jesus offenbarten Wahrheit. Diese Wahrheit – Jesus ist der Kalif Gottes in der zweiten Schöpfung (Al-i Imran 3:52–53) – ist von solch unerhörtem Ausmaß, dass die Jünger sichergehen wollen, sie richtig verstanden zu haben: ‘unsere Herzen sollen beruhigt sein, und wir wollen wissen, daß du in Wahrheit zu uns gesprochen hast, und wollen selbst dafür Zeugnis ablegen’ (Maide 5:113). Als zusätzlichen Beweis für die bereits von Gott an Jesus erwiesenen Gnadengaben wünschen sie sich die Herabsendung eines Mahls vom Himmel:
‘(Damals) als die Jünger sagten: "Jesus, Sohn der Maria! Kann dein Herr uns (wohl) einen Tisch (mit Speisen) (maa§ida) vom Himmel herabsenden?" Er sagte: "Fürchtet Allah, wenn (anders) ihr gläubig seid (und verlangt keine besonderen Wunderzeichen)!" Sie sagten: "Wir wollen davon essen, und unsere Herzen sollen beruhigt sein, und wir wollen wissen, daß du in Wahrheit zu uns gesprochen hast, und wollen selbst dafür Zeugnis ablegen." Da sagte Jesus, der Sohn der Maria: "O Allah, unser Herr, sende uns einen Tisch (mit Speise) vom Himmel herab, daß er ein Fest für uns sei, für den Ersten von uns und für den Letzten von uns, und ein Zeichen von Dir; und versorge uns; denn Du bist der beste Versorger." Allah sprach: "Siehe, Ich will ihn (den Tisch) zu euch niedersenden; wer von euch aber danach ungläubig wird, über den werde Ich eine Strafe verhängen, mit welcher Ich keinen anderen auf der Welt bestrafen werde"’ (Maide 5:112; Paret; 5:113-115 M.A. Rassoul).
Auch dieses Vorkommnis ist eine Gnade Allahs, die er Jesus erweist und die es wert ist, beim Jüngsten Gericht erwähnt zu werden. Die Gnade besteht darin, dass Jesus seinen Jüngern ein Zeichen vom Himmel zukommen lassen darf, das ihren angefochtenen Glauben stärkt.1 Dieses Zeichen ist eine weitere Antwort auf die Frage, wie reagiert man richtig auf den Kalifen Jesus?
Dass ein solcher Gnadenerweis zur Bestätigung der Gottesgesandten keinesfalls normal war, machen folgende Überlegungen deutlich:
Auch von Mohammed wurden neben nicht genauer bestimmten Zeichen (Yunus 10:20; Ra'd 13:7; An'am 6:37) die Herabsendung eines Buches aus dem Himmel gewünscht. Von Mose wurde gewünscht, dass er seinen Nachfolgern Allah selbst klar und deutlich zeige (Nisa 4:153). Abgesehen von der Herabsendung eines Buches – der Koran ist schließlich als auf Mohammed herabgesandtes Buch bekannt – antwortet Mohammed ausweichend auf die Zeichenforderungen. Zwar hat Allah die Macht dazu (Enam 6:38), aber die Entscheidung liegt allein bei Gott. Darum sollen Muhammads Nachfolger auf Zeichen von Gott warten und hoffen, wobei er sich selbst unter die Wartenden reiht (Yunus 10:20): ‘Und sie sagen: "Warum ist nicht ein Zeichen zu ihm herabgesandt worden von seinem Herrn?" Sprich: "Das Verborgene ist Allahs allein. Drum wartet; siehe, ich warte auch mit euch"’ (Ahmadeyya). In Rad 13:7 wird ein möglicher Grund genannt, weshalb Allah die von Mohammed erbetenen Zeichen nicht produzierte: ‘Du bist nur ein Warner. Und ein Führer ward jedem Volk’ (Ahmadeyya). Auch Mose wird die Bitte um eine klare und deutliche Offenbarung Gottes in materieller Form nicht gewährt: ‘Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht’ (2. Mose 33:20). Wenn nicht einmal Mose Allah deutlich sehen kann, wie soll er Ihn dann seinem Volk klar und deutlich darstellen?
Bei Jesus verhält es sich anders: Gott hat ihn nicht nur als Warner, sondern als Khalifen der zweiten Schöpfung vorgestellt. Da die Jünger Jesu stärker als die Nachfolger anderer Propheten in die Erfüllung des Auftrags Jesu eingebunden sind, ist es notwendig, ihre Zweifel mit dem gewünschten Zeichen zu beseitigen. Als Helfer Jesu in Allahs Sache brauchen sie als Zeugen absolute Gewissheit, dass das, wovon sie zeugen, unumstößlich wahr ist.2 Auch wenn der Koran über die Realisierung dieses Zeichens schweigt, gehen viele Koranausleger davon aus, dass Gott tatsächlich einen Tisch vom Himmel für die Jünger herabkommen ließ. Die Realisierung dieser Herabsendung wird auch im Evangelium klar bestätigt (siehe Johannes 6:22–59; Matthäus 27:26–30; Markus 14:22–26; Lukas 22:14–20; 1. Korinther 11:23–26).
Die Herabsendung von Speise vom Himmel ist ein sehr außergewöhnliches und auffälliges Zeichen. Es ist kaum vorstellbar, dass die Jünger Jesu anderen gegenüber nicht darüber berichtet hätten, besonders vor dem Hintergrund ihres Wunsches, dass es sie zum Zeugnis befähigen solle. Zudem soll der vom Himmel herabgesandte Tisch „ein immer wiederkehrendes Fest für” (Maide 5:114) die Jünger sein, die hier als Repräsentanten wahrer Muslime stehen (Maide 5:111). „Wir haben den Iman verinnerlicht und bezeugen, dass wir gewiss Muslime sind“ (Zaidan). Es muss daher davon ausgegangen werden, dass sie sichergestellt haben, dass im Evangelium wahrheitsgetreu über dieses Ereignis berichtet wird. Die Ausleger beschäftigen sich daher mit der Frage, um welche im Evangelium beschriebene Begebenheit es sich bei diesem Vorfall handeln könnte.

Ihre Antworten darauf fallen sehr unterschiedlich aus:
Sayyid Kutub betont, ‘Die Geschichte vom Mahl, wie sie im Koran erzählt wird, wird in den christlichen Schriften nicht erwähnt.’3 Dies ist jedoch, wie eben dargelegt, eine sehr unwahrscheinliche Ansicht.
Einige sehen darin einen Bezug auf die Verköstigung der Generation von Mose mit dem himmlischen Brot, dem Manna, auf der Reise durch die Wüste.4
Pregill ist der Meinung, dass „die Ma'ida-Passage (Vv. 112–115) ganz offensichtlich nicht eucharistisch ist, sondern vielmehr die Widerspenstigkeit der Jünger (vgl. Al-i Imran 3:52–53) beschreibt, die hier von Jesus eine Art Wunder als Beweis verlangen”.5
Andere sehen einen Zusammenhang zwischen den Berichten der Brotvermehrung im Evangelium (Speisung der 5000: Matthäus 14:15–21; Markus 6:37–44; Lukas 9:13–17; Johannes 6:5–13; Speisung der 4000: Matthäus 15:32–39 und Markus 8:1–9) und dem Tisch vom Himmel in Maide 5.6
Yusuf Ali sieht einen Zusammenhang mit der Vision des Petrus von einem „Tisch“ mit unreinem Essen, der vom Himmel herabkommt (Apostelgeschichte 10:6–16).7
Cuypers hingegen glaubt nicht, dass ein Bezug zwischen dem Tisch vom Himmel im Koran und der Vision des Petrus in Apostelgeschichte 10 besteht. Vielmehr gehe es in Maide 5:112–115 um die „Rede vom Brot des Lebens” in Johannes 6.8
Emmanouela Grypeou sieht einen Einfluss eines Ereignisses auf Maide 5:112-115, das im „Evangelium der zwölf Apostel”9 erwähnt wird.10
Für Zellentin schließlich verweist dieser Tisch auf rabbinische und syrische Traditionen im Zusammenhang mit dem Abendmahl.11.
Dieser Überblick unterschiedlicher Ansichten macht deutlich, dass Sure 5:112–115 mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur auf eine einzige Stelle im Evangelium Bezug nimmt. Dennoch kann das Ereignis meiner Meinung nach eindeutig einem im Evangelium beschriebenen Vorkommnis zugeordnet werden. Von allen vorgeschlagenen Texten scheint mir die Verbindung zu Johannes 6 am überzeugendsten.
Im nächsten Blog wollen wir uns mit einer Evaluation der möglichen biblischen Texte, die hinter Maide 5:112–115 stehen könnten, auseinandersetzen.
1 Die Frage ‘ob’ und ‘wie’ ein Tisch vom Himmel herabgesendet wurde beschäftigt Muslimische Exegeten. Gottes Zusage: ‘... Siehe, Ich will ihn (den Tisch) zu euch niedersenden ...’ (Maide 5:115) scheint jedoch, - weil Seine Zusagen absolut vertrauenswürdig sind – klar zugunsten der Herabsendung zu sprechen.
2 ‘İslâm bilginlerinin çoğunluğuna göre Hz. Îsâ’nın bu duası üzerine gökten bir sofra indirilmiştir. Tefsir kitaplarında bu sofrada hangi yiyeceklerin yer aldığı, bu ziyafetin ne kadar bir süre devam ettiği ve kimlere nasip olduğu hususunda ayrıntılı açıklamalar yer almıştır. Fakat bu bilgileri destekleyen sahih rivayetler bulunmamaktadır. Bazı tâbiîn bilginlerinden gelen bir rivayeti esas alan müfessirlere göre yüce Allah’ın “Kuşkunuz olmasın, ben onu size indireceğim; fakat bundan sonra içinizden kim inkâr ederse, varlıklar âleminde hiç kimseye etmediğim azabı ona edeceğim” buyurması üzerine, sofra indirilmesini isteyenler bu taleplerinden vazgeçmişler ve sofra indirilmemiştir ( Kur'an Yolu Tefsiri Cilt: 2 Sayfa: 362-365 in https://kuran.diyanet.gov.tr/tefsir/M%C3%A2ide-suresi/781/112-115-ayet-tefsiri (besucht: 31/07/2024).
3 ‘The story of the Repast, as told in the Qur’an, is not mentioned in Christian Scriptures’ (Sayyid Qutb, In the Shade of the Quran, vol. IV, s.245 (resp. s.1339)).
4 z.B. Jean-Luc Monneret (siehe Oliviu Petru Botoi, ‘The Qur’anic Image of “the Table Descended from Heaven” – an Apocryphal Reproduction of the Biblical Eucharist’ in International Journal of Orthodox Theology 5:3 (2014), ss. 165-183).
5 ‘... the ma’ida passage (vv.112-115) is quite clearly not eucharistic but rather describes the waywardness of the disciples (cf. Al-i Imran 3:52-53) who here demand a kind of evidentiary miracle from Jesus’ (Pregill, The Quran Seminar QS9, s. 115).
6 z.B. Matthäus
7 z.B. A. Yusuf Ali, The Holy Quran, s. 285, Bemerkung 826.
8 Cuypers zählt die folgenden Punkte auf:- In keiner der beiden Erzählungen wird die Nahrung gegeben, es sei denn als Verheissung;- Beide Texte beziehen sich auf Psalm 78 (Johannes 6 zitiert Psalm 78:24; der Koran bezieht sich auf Psalm 78:24 und Psalm 78:19)- Johannes 6 und Maide 5:112-115 beziehen sich auf die Ereignisse im Bezug auf die Versorgung mit Manna wie beschrieben im Buch Exodus; Maide 5:114 bezieht sich zudem noch auf Exodus 12:14.
9 Anonymous, The Gospel of the Twelve Apostles
translated by J. Rendel Harris, ss. 29-31 in Internet Archive (free download borrow and streaming; besucht 16/08/2024). ‘The Syriac manuscript is originally Jacobite, and has been dated to the late sixth century and the beginning of the seventh. However, dating the manuscript will not raise any issue on the authenticity and the influence it could exercise on the Qur’an, as this apocryphal text is mentioned in the 2nd century by Origen. The text presents Simon Kepha, along with the other disciples, gathered in a place where they were fasting and were praying to Jesus Christ to strengthen their faith, and to hear their prayer. Then suddenly there appeared a table set before them, with many good things that the Lord himself had fed’ (ss. 182f.; Oliviu Petru Botoi, ‘The Qur’anic Image of “the Table Descended from Heaven” – an Apocryphal Reproduction of the Biblical Eucharist’ in International Journal of Orthodox Theology 5:3 (2014), ss. 165-183).
10 Emmanouela Grypeou, ‘The Table from Heaven: A Note on Quran, Surah 5:111ff., Collectanea Christiana Orientalia 2 (2005), pp. 311-316; ISSN 1697–2104, in https://core.ac.uk/download/pdf/60867353.pdf (besucht: 25/07/2024).Der Bericht folgt gleich im Anschluss an das Pfingstwunder und steht im Zusammenhang mit der Bitte der Jünger um die Herabsendung des Heiligen Geistes: “… and Simeon Kepha and his eleven companions rose up, being bound and called by the Holy Spirit and they went whither Jesus had directed them, and they were fasting and praying seven days [? and did eat nothing], and suddenly there were set before them [? tables] full of good things, things excellent, whence they came our Lord only knows, things from which he himself was nourished; and on the morrow, like as on the first day, he flashed light over them, and made them fervent in spirit and in truth, and a voice came to them and said, ‘Speak out, speak out!’. And they began to glorify God and laud and praise and exalt our Lord, asking from him that the gift might be completed [which he had promised].” (Anonymous, The Gospel of the Twelve Apostles translated by J. Rendel Harris, ss. 30-31 in Internet Archive (free download borrow and streaming; besucht 16/08/2024). )
11 Zellentin, The Quran Seminar QS9, s. 116.

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